Christie's versteigert Schieles "Herbstsonne"

8. Juni 2006, 20:22
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Restituiertes Gemälde bei Juni-Auktion zu "German and Austrian Art" - Davor Zurschaustellung in Wien

Wien - "Herbstsonne" heißt ein 1914 entstandenes Stillleben von Egon Schiele, das als das Top-Los der am 20. Juni stattfindenden Auktion "German and Austrian Art" bei Christie's in London gilt. Jahrzehntelang unauffindbar, wurde es 2005 von Christie's-Experten wieder entdeckt und kürzlich an die Nachkommen des früheren Besitzers Karl Grünwald restituiert. Jetzt steht es zum Verkauf frei und wird auf vier bis sechs Millionen britische Pfund (5,8 bis 8,7 Millionen Euro) geschätzt. In Wien ist die "Herbstsonne" am 7. und 8. Juni bei Christie's zu sehen. Weitere Highlights der Auktion sind fünf Aquarelle Schieles aus der Sammlung Frederick Gerstel.

Hommage an van Gogh?

Bei Christie's vergleicht man die bevorstehende Auktion gar mit jener in London 1987, als das "Sonnenblumen"-Gemälde von Vincent van Gogh für 24 Millionen britische Pfund (ca. 35 Mio Euro) unter den Hammer kam. Tatsächlich soll Schiele mit seiner "Herbstsonne" van Gogh eine Art Hommage erwiesen haben. Er hatte die Bilder des Niederländers 1909 auf der Wiener Kunstschau gesehen. Die ursprünglichen Besitzer verkauften die "Herbstsonne" an Karl Grünwald, der ein Förderer Schieles gewesen war. 1938 floh er nach Frankreich - seine beachtliche Kunstsammlung wurde von den Nazis konfisziert und 1942 versteigert.

Nach dem Krieg versuchte Grünwald, der im Gegensatz zu Frau und Tochter den Nazis entkam, seine Sammlung wieder zu finden. Nach seinem Tod 1964 setzten die hinterbliebenen Söhne die Recherche fort. Es gelang immerhin, 1999 die Rückgabe eines Klimt-Bildes aus dem Museum Strasbourg zu erwirken. Durch Zufall entdeckten Experten von Christie's im Rahmen einer Routine-Schätzung die "Herbstsonne", die sie zunächst für eine Fälschung hielten. Der Besitzer hatte das Bild einige Jahre zuvor erworben und entschied sich angesichts der neuen Erkenntnisse für die Restitution an die Erben Grünwalds.

Wertvolle Papierarbeiten

Ein weiterer Höhepunkt der Auktion sind fünf Papierarbeiten Schieles aus der Sammlung Frederick Gerstel, die zwischen 1911 und 1917 entstanden. Dazu gehören "Moa" (1911) mit einem Schätzwert von 2,4 bis 3,2 Millionen Pfund (ca 3,5 Mio - 4,6 Mio), und "Porträt eines jungen Mannes" (1912) mit einem Schätzwert von 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund (ca 1,1 Mio - 1,7 Mio Euro), beides Bildnisse von Bekannten Schieles.

Das Aquarell "Stehendes Mädchen" wird auf zwischen 1,8 Millionen und 2,4 Millionen Pfund (ca 2,6 Mio - 3,5 Mio Euro) geschätzt. "Weiblicher Akt mit weißer Umrandung" (1911) bewegt sich zwischen 300.000 und 400.000 Pfund (ca 430.000 - 580.000 Euro) und "Bauernhaus auf dem Hügel" (1917) kommt auf 250.000 bis 350.000 Pfund (ca 360.000 - 510.000 Euro).

Weitere auf der Auktion vertretene Künstler sind Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Otto Dix. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    'Sonnenblumen' bei Christie's London

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