Armut steigt unaufhaltsam in Österreich: Caritas schlägt Alarm

5. Juni 2006, 17:58
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Rund 250.000 Menschen sind in Österreich armutsgefährdet - Dramatische Armutsfälle sind um zehn Prozent gestiegen

Wien - Die Caritas schlägt Alarm in Sachen Armut. "Arbeitslosigkeit, steigende Wohnungskosten, existenzielle Sorgen - Wir hatten 2005 leider um zehn Prozent mehr Leute wegen Armutsgefährdung in Betreuung", erklärte Caritas-Präsident Franz Küberl. Rund 250.000 Menschen sind in Österreich armutsgefährdet. 45.000 Personen haben sich 2005 Hilfe suchend an eine Betreuungsstelle der Hilfsorganisation gewandt.

"Armut ist nach wie vor im Steigen", bilanziert Küberl ernüchternd. Wir befinden uns in der dramatischen Situation, dass Armut und Reichtum zugleich steigen." Die Beschäftigungsinitiativen des Bundes bringen zwar eine "zarte Entlastung", es brauche aber Formen einer "bedarfsgerechten Existenzsicherung" sowie eine Reform der Sozialbürokratie. "Wir müssen die Lücken im Sozialnetz im Bereich der Ärmsten schließen", erklärte Küberl.

Rückführhilfe

Eine positive Bilanz schloss Küberl indes über die "Rückkehrhilfe" der Caritas. In diesem Projekt, das in Kooperation mit dem Innenministerium sowie der Europäischen Union (EU) läuft, unterstützt die Caritas abgelehnte Asylwerber und Menschen, die über keine gültige Aufenthaltsgenehmigung und damit kein Zukunftsperspektive in Österreich verfügen, bei der Rückkehr in ihre Heimat. "In den letzten fünf Jahren haben wir über 5.000 Personen geholfen, in ihre Heimat zurückzukehren. Die allermeisten bleiben dann in ihrem heimatland", so Küberl.

Freiwilligkeit und Perspektiven

Die "Rückkehrhilfe" der Caritas gilt deshalb als eines der "best practice Modelle" in der EU. Bei anderen EU-Initiativen würden sich bis zu 80 Prozent der Rückkehrer neuerlich auf den Weg in einen EU-Staat machen. Der Erfolg des Caritas-Modells basiert laut Küberl auf den Prinzipien Freiwilligkeit, klaren Perspektiven für einen Neustart und dem Fokus auf der beruflichen und familiären Re-Integration. Dazu komme geringfügige finanzielle Hilfe: "Keine großen Beträge, ein paar hundert Euro."

Verfahrensbeschleunigung beim Asylverfahren nötig

"Große Probleme" sieht der Caritas-Präsident beim Asylverfahren. Hauptkritik: "Die Verfahren in der ersten Instanz dauern immer noch viel zu lange. Die Vorladung zum Erstinterview dauert derzeit sechs bis zwölf Monate. Wir drängen, dass die Verfahren endlich qualitätsvoll beschleunigt werden." Küberl wünscht sich dazu von Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) einen Bericht darüber, wie eine Verfahrensbeschleunigung in der nötigen Qualität organisiert werden kann. (APA)

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