Schubhäftling war laut Gerichtsmedizinerin schwer verletzt

12. Juni 2006, 16:23
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"Profil" berichtet über belastende Expertise - Bisher wurde nur wegen Verdachts der leichten Körperverletzung ermittelt

Wien - Ein weiterer Verdächtiger und ein Gerichtsgutachten, das schwere Verletzungen dokumentiert: In den Fall des mutmaßlich von Polizisten misshandelten Schubhäftlings Bakary J. kommt Bewegung. Ob und wann es auch zu einer Anklage kommt, steht aber noch nicht fest. Als der 32-Jährige aus Gambia am 9. April ins Wiener AKH gebracht wurde, sahen die Ärzte dort die Angelegenheit offenbar als nicht so dramatisch an, wie der Befund zeigt. Bei den Röntgenaufnahmen wurden "keine sicheren Zeichen einer frischen traumatischen Knochenveränderung" entdeckt, als Behandlung wurde eine Schmerztablette sowie "Schonung, kalte Umschläge" empfohlen.

Die als Gutachterin beauftragte Gerichtsmedizinerin kommt zu einem anderen Ergebnis, berichtet profil in seiner kommenden Ausgabe. Der Gambier habe eine "umfangreiche Fraktur von Kiefer, Jochbein und Augenhöhle" erlitten, urteilt die Expertin. Die Verletzungen des Schubhäftlings, der nach der Verbüßung seiner Strafe wegen Drogendelikten abgeschoben werden sollte, seien "dem Grade nach als schwer" einzustufen.

Für die Polizisten, die Bakary J. in einer Lagerhalle in Wien-Leopoldstadt misshandelt haben sollen, ist diese Einschätzung bedeutsam. Bisher wurde gegen sie wegen des Verdachtes der leichten Körperverletzung ermittelt, bei schwerer Körperverletzung droht mit bis zu drei Jahren Haft eine deutlich höhere Strafe. Der Kreis der Verdächtigen hat sich auch erweitert: Es wird nicht mehr nur gegen die drei Beamten ermittelt, die bei der gescheiterten Abschiebung dabei waren, sondern auch gegen einen vierten Polizisten, der erst in der Halle zur Gruppe stieß. (moe, DER STANDARD - Printausgabe, 2. Juni 2006)

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    Die Verletzungen von Bakary J. wurden von der Gerichtsmedizin laut "profil" "dem Grade nach als schwer" eingestuft.

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