Schulungen drücken Arbeitslosigkeit

28. Juni 2006, 15:10
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Im Mai waren 211.850 Personen arbeitslos gemeldet - um 5,1 Prozent weniger als im Vorjahr, ohne Schulungen beträgt der Rückgang lediglich 0,2 Prozent

Wien - Der Anstieg bei den Schulungen spiegelt sich deutlich in den offiziellen Arbeitslosenzahlen wider: Im Mai waren nach offizieller Zählung 211.850 Personen arbeitslos gemeldet. Das waren um 5,1 Prozent oder um 11.502 Betroffene weniger als vor einem Jahr, geht aus den am Donnerstag veröffentlichen Arbeitsmarktdaten des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor.

Rechnet man allerdings die im Jahresvergleich um 34,1 Prozent auf 62.626 gestiegenen Schulungen dazu, so waren im Mai 274.476 Personen ohne Arbeit, das waren lediglich um 0,2 Prozent oder 443 Personen weniger als im Mai 2005. Die Jugendarbeitslosigkeit ging im Berichtsmonat deutlich, und zwar um 8,1 Prozent auf noch immer 32.910 Jugendliche bis 24 Jahre zurück.

Deutlicher Anstieg bei offenen Stellen

Der positive Trend bei der Entwicklung der offenen Stellen hat im Mai weiter angehalten. Ende des Monats waren beim AMS mit einem Bestand von 34.589 um +18,2 Prozent (+5.324) mehr Jobs gemeldet als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Deutliche Zuwächse gab es vor allem bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+3.081; +37,7 Prozent). Einen Anstieg gab es auch in der Sachgütererzeugung (+651; +20,0 Prozent), im Bauwesen (+647; +24,2 Prozent) und im Fremdenverkehr (+632; +12,0 Prozent).

Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitslosigkeitsepisode lag Ende Mai 2006 bei 101 Tagen und war damit um zehn Tage kürzer als im Vorjahresmonat.

Zahl der Langzeitarbeitslosen rückläufig

Deutlich rückläufig war auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Vormerkdauer von über einem Jahr ist Ende Mai 2006 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres mit minus 2.973 bzw. minus 24,9 Prozent auf 8.985 kräftig zurückgegangen.

Rückgang in allen Bundesländern

Regional ist die Arbeitslosigkeit im Mai wieder in allen Bundesländern rückläufig. In Wien ging der Bestand an vorgemerkten Arbeitslosen um -2.872 (-3,7 Prozent) gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres auf 73.832 zurück, in Niederösterreich um -2.423 (-6,9 Prozent) auf 32.678, in der Steiermark um -1.959 (-6,7 Prozent) auf 27.090, in Oberösterreich lag der Rückgang bei -1.901 bzw. -8,4 Prozent auf 20.714, in Salzburg bei -1.036 bzw. -8,8 Prozent auf 10.740 und in Vorarlberg konnte eine Abnahme von -451 (-4,5 Prozent) auf 9.466 verzeichnet werden. Im Burgenland hat sich der Bestand an vorgemerkten Arbeitslosen um -436 (-7,2 Prozent) auf 5.657, in Kärnten um -350 (-2,6 Prozent) auf 12.958 und in Tirol um -74 (-0,4 Prozent) auf 18.715 verringert.

Die Jugendarbeitslosigkeit hat im Mai 2006 um -8,1 Prozent (-2.913 auf 32.910) gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres abgenommen. Sowohl in der Altersgruppe der bis 19-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit mit -10,5 Prozent (-822 auf 7.017) als auch bei den 20- bis 24-Jährigen (-7,5 Prozent bzw. -2.091 auf 25.893) gesunken.

Im Mai 2006 ging die Zahl der Lehrstellensuchenden im Jahresvergleich um 136 (-3,1 Prozent) auf 4.217 Betroffene zurück. Bei den gemeldeten offenen Lehrstellen ist mit +1.243 bzw. +51,8 Prozent auf 3.643 eine deutliche Zunahme zu verzeichnen.

Bartenstein: Werte bestätigen Trendwende

"Die Mai-Werte bestätigen die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt. Wie bereits im Vormonat ist ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu erkennen. Im Mai hat sich diese Tendenz bestätigt", betonte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein zu den bekannt gegebenen Zahlen. Es zeige sich mit 211.850 vorgemerkten Personen und einem Rückgang um 11.502 oder um 5,1 Prozent ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit in ähnlicher Höhe wie schon Ende April (-5,4 Prozent), so der Minister. Gegenüber dem Vormonat April ist die Arbeitslosigkeit saisonbedingt um 20.608 oder 8,9 Prozent gesunken.

Die Arbeitslosenrate nach nationaler Berechnung ging im Mai auf 6,1 Prozent nach 6,5 Prozent im Vorjahr und 6,7 Prozent Ende April zurück. Nach Eurostat liegt die Quote gemäß der vorläufigen Fortschreibung des AMS Österreich für den Mai bei 4,8 Prozent (Eurostat selbst weist für den Mai 2006 noch keinen aktuellen Wert für die Arbeitslosenquote Österreichs aus). Ende Mai 2006 lag die Zahl der unselbstständig Beschäftigten voraussichtlich bei 3,273.000 (Prognose des BMWA; ohne geringfügige Beschäftigungsverhältnisse). Das bedeutet einen Anstieg von um 45.000 oder um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Günstige Entwicklung

Bartenstein sieht die Ursachen für die anhaltend günstige Entwicklung vor allem im stabilen Wirtschaftswachstum von nunmehr rund 2,5 Prozent, das im Sachgüterbereich (-10,1 Prozent), sowie im Bau (-9,3 Prozent), aber auch im Handel (-5,9 Prozent) zu überdurchschnittlich rückläufigen Arbeitslosenzahlen führt. Weiters bleibt der Anstieg des gesamten Arbeitskräftepotenzials unter den Zuwächsen des Vorjahres, obwohl der Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland nach wie vor anhält (Ende April 2006 waren gegenüber dem Vorjahr um 8.600 mehr Personen aus dem westlichen Nachbarland am österreichischen Arbeitsmarkt).

Qualifizierungsmaßnahmen

Maßgeblichen Anteil habe auch die im Jänner gestartete große Qualifizierungs- und Beschäftigungsinitiative "Unternehmen Arbeitsplatz": Mit dieser habe die Bundesregierung im Rahmen des Beschäftigungsförderungsgesetzes Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen für mehr als 60.000 Personen zusätzlich eingerichtet. Dafür werden aus dem Budget 285 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Auf Grund dieser Initiative ist die Zahl der Personen in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice auf 62.626 angestiegen. Der Bestand der Teilnehmer/innen lag somit +11.059 über dem Mai des Vorjahres.

Mit 31.770 (+2.257 bzw. +7,6 Prozent) haben 15,0 Prozent der vorgemerkten Personen eine Einstellungszusage für einen neuen Arbeitsplatz. Wie bereits im Vormonat ist auch Ende Mai der Rückgang der vorgemerkten Personen in allen Bundesländern zu beobachten. Mit -7.424 (-6,2 Prozent) fällt die Abnahme bei Männer etwas stärker aus als bei Frauen (-4.078; -3,9 Prozent). Die Zahl der vorgemerkten inländischen Arbeitskräfte liegt um 9.584 (-5,2 Prozent) und jene der ausländischen Staatsangehörigen um 1.918 (-5,0 Prozent) unter dem Vorjahreswert.(APA)

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