Massaker von Haditha: Falschaussagen hochrangiger Militärs

8. Juni 2006, 13:50
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Untersuchungsreport: Gefälschte Berichte zur Tötung von 24 Zivilisten abgegeben - Fox-Kommentator: Iraker an Massaker gewöhnt

Einem Bericht der Washington Post zufolge sollen einige Offiziere der US-Marine laut einem Untersuchungsbericht ihren Vorgesetzten gegenüber falsche Berichte über das mutmaßliche Massaker von Haditha im Irak abgegeben haben. Und die Vorgesetzten hätten es verabsäumt, offensichtliche Widersprüche in den Berichten zu prüfen.

Eine Reihe von Marinesoldaten sollen am 19. November 2005 in der Stadt Haditha in einem Racheakt für den Tod eines Kollegen mindestens 24 irakische Zivilisten erschossen haben und behaupteten danach, die Iraker seien einem Bombenattentat zum Opfer gefallen. Dem Bericht zufolge hätte allerdings bereits bei den "Aufräumarbeiten" auffallen müssen, dass die Zivilisten aus unmittelbarer Nähe erschossen worden waren.

Ein erster Untersuchungsbericht nach drei Monate langen Ermittlungen unter Armee-General Eldon Bargewell soll den obersten Militärs in den nächsten Tagen übergeben werden. Der Bericht fordert auch zusätzliches Training der im Irak stationierten Truppen zum Thema "Grundwerte" - das die Wichtigkeit von "rechtlichen, moralischen und ethischen Standards auf dem Schlachtfeld" hervorstreichen soll. "Als Militärs", erklärte Generalleutnant Peter Chiarelli der Washington Post, "müssen wir uns die Zeit nehmen, über die Werte nachzudenken, die uns von unseren Feinden trennen."

Der "Bargewell-Bericht" ist nur einer von zwei militärischen Untersuchungen über die Ereignisse von Haditha. Die zweite ist eine Ermittlung seitens des Naval Criminal Investigative Service über die Möglichkeit der absichtlichen Vertuschung der Ereignisse von Haditha. Bisher hat es noch keine Anklagen gegeben, es wird jedoch vermutet, dass sich US-Soldaten unter anderem des Mordes verantworten werden müssen.

"Gewöhnt" an Massaker

Präsident George W. Bush zeigte sich "besorgt über die ersten Berichte". Und sollten tatsächlich Gesetze gebrochen worden sein, "wird es eine Bestrafung geben". Bereits jetzt gibt es Verteidiger der US-Marines. Der Kommentator John Gibson von dem regierungsnahen FOX News erklärte, die Iraker seien ohnedies an Massaker gewöhnt: Er verurteilte zwar Massaker an Zivilisten, aber "wenn die Iraker ihre eigene Geschichte kennen, dann wissen sie, dass Massaker in Irak bereits seit Jahrtausenden verübt wurden". (DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2006)

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