Abtasten zwischen Eriwan und Ankara

Redaktion, 4. Juli 2006, 16:01

Armenien und Türkei suchen auf diplomatischer Ebene eine Annäherung - von Jürgen Gottschlich

Istanbul - Nach jahrelangem Stillstand scheint Bewegung in die blockierten Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien zu kommen. Wie das türkische Außenministerium überraschend bekannt gab, sind seit einem Jahr geheime Treffen auf hoher diplomatischer Ebene im Gang.

Bereits dreimal hätten sich in den letzten Monaten Staatssekretäre beider Seiten getroffen. Ein viertes Treffen werde gerade vorbereitet. Die Länder unterhalten seit der Gründung Armeniens 1991 keine diplomatischen Beziehungen. Seit dem Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan 1992 bis 1995, in dessen Verlauf Armenien einen Teil Aserbaidschans okkupierte, hat die Türkei auch ihre Grenze zu Armenien geschlossen.

Der eigentliche Grund für das türkisch-armenische Zerwürfnis liegt aber wesentlich weiter zurück und berührt den Gründungsmythos beider Staaten. Es geht um die Massaker an der armenischen Bevölkerung in der Endphase des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkrieges.

Ab April 1915 wurden hunderttausende Armenier aus ihren Siedlungsgebieten im Osten der heutigen Türkei vertrieben und ermordet. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte an den armenischen Präsidenten Robert Kotscharian appelliert, man solle eine Historikerkommission mit Vertretern beider Länder und unabhängigen Experten bilden. Doch die einflussreiche armenische Diaspora machte dagegen Front. Ihre Strategie ist es vielmehr, möglichst viele nationale Parlamente weltweit dazu zu bewegen, den Völkermord explizit anzuerkennen und die Türkei letztlich auch dazu zu zwingen.

Kotscharian hat hinter den Kulissen aber offenbar doch Gesprächsbereitschaft signalisiert. Er will vor allem erreichen, dass die Türkei die Grenze öffnet und Armenien endlich ein offenes Tor nach Westen hat. Die Türkei besteht bislang aber darauf, dass Armenien sich zuvor aus einem Teil der okkupierten aserbaidschanischen Gebiete zurückzieht und die Grenze zwischen der Türkei und Armenien völkerrechtlich anerkennt.

Bislang, heißt es in Ankara, sei bei den Gesprächen zwar noch kein Durchbruch erzielt worden, man lote aber Chancen für erste Kompromisse aus. Die Türkei hat im letzten Jahr ihre Boykotthaltung gegenüber Armenien bereits etwas gelockert, indem sie der Armenian Airlines Überflugrechte einräumte und zunehmend armenische Jobsucher in der Türkei duldet. (DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.6.2005)

Kommentar posten
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seek+destroy
00
14.6.2006, 00:33
man soll erwähnen

dass die gebiete im osten anatoliens, die von den armeniern gesäubert wurden, den kurden zugesprochen wurden,die auch auch maßgebend an der vertreibung beteiligt waren.
(armenier mögen kurden fast noch weniger als türken)

Hejaro Kardox
00
22.6.2006, 00:22

Ich würde so gerne an den türkischen Friedentaube glauben, aber da der türkischer Staat uns alle bis jetzt schon immer nur verarscht hat, wird dieser Frieden wo darüber ständig die türkische Flagge weht, immer ein Blutbad richten.
MfG

depp am huegel
00
15.6.2006, 10:58

naja, dann hat sich ja die türkei ihr kurdenproblem teilweise selbst zuzuschreiben - wo die kurden diese gebiete jetzt wohl für ein noch zu gründendes kurdistan beanspruchen würden ...

Jan Sommer
21
Statt leerer Worte und falscher Versprechungen könnte die


türkische Regierung ja endlich damit anfangen die Minen und den Stacheldraht an der Grenze zu entfernen - wer soll denn glauben, dass sich die winzigen Türken so vor den riesengrossen Armeniern auf diese Art und Weise schützen müssen ?
js

Sunny Boy3
13
Die Agression Armeniens gegenüber den Aserbaidschanern hat gezeigt..

dass diese Massnahmen durchaus erforderlich sind!
Denn Armenien hält einen grossen Teil Aserbaidschanisches Gebiet illegal besetzt (das ist doch Ihr Lieblinsthema)!
Aber solange es nicht die Türkei ist,stört Sie dass eh nicht oder Sommer..?

Ganz zu schweigen von den 750.000 Vertriebenen Aserbaidschaner die als Flüchtlinge in Ihrem eigenen Land leben müssen!
Diverse UNO Resolutionen gibt es auch schon dies bezüglich..
Aber wetten Sie haben noch niemals davon gehört?

Plauderer
33

Vielleicht schützen die Armenier nur ihre Landsleute vor Mord durch Aserbaidschaner. Und das ist nach türkischer Auffassung sogar zwingend notwendig. Sogar die Abtrennung dieser Gebiete von Aserbaidschan würde die Türkei unterstützen. Das gleiche macht die Türkei auf Zypern.

AliBarbar
 
00
12.6.2006, 15:04
oh ja, natürlich

weil es den türken im blute steckt arme armenier einfach so und grundlos zudem umzubringen...
und dies vor allem in einer grossangelegten ethnischen säuberung von statten geht...

http://www.ermenisorunu.gen.tr/english/a... index.html

schauen sie sich doch bitte einfach mal die fotos an...
und dann sagen sie nochmal, daß die heute so bewiesene version der ereignisse rechtens ist/sein kann.

Plauderer
11
12.6.2006, 17:35

Es wäre von Vorteil wenn Sie AliBarbar (der Name ist Programm ?) erst mal mein Posting gelesen hätten.
Es ging um Armenien und Aserbaidschan. Die gehören NICHT zur Türkei. Sind sie größenwahnsinnig ?
Ich habe geschrieben das die Armenier sich nur die gleichen Rechte in Aserbaidschan aneignen wie die Türkei auf Zypern und das sollte doch im Interresse der Türkei sein.
Aber wie gesagt lesen sie erst die Artikel bevor sie antworten. Danke.

Willhelm_Tell
23
Da scheint das türkische Propagandaministerium

.. eine ganze Division abkommandiert zu haben, um die Leserbriefseiten der österreichischen Medien mit Desinformation zu füllen. In demokratiepolitisch sensibleren STaaten wie der Schweiz wären alle diese Postings genauso strafbar, wie etwa die Leugnung des Holocaustes bei uns.
Ich kann nur jeden Interessierten raten, z.B. den unlängst in "Die Zeit "zum Thema erschienen Artikel zu lesen.

http://www.zeit.de/2005/13/Armenier

Er entspricht in etwa dem, was die westliche Geschichtswissenschaft zum thema zu sagen hat. Meinungen aus der Türkei sind schon deshalb irrelevant, weil prinzipiell dort nur eine Meinung zugelassen ist: Es gab keinen Genocid. Alles andere ist strafbar. Es gibt also in der Türkei keine freie Geschichtswissenschaft!!!

git31cek
01
19.6.2006, 00:46
außen Fassade innen hohl

@Meinungen aus der Türkei sind ... irrelevant...
- ihre Vorstellung von Meinungsfreiheit?
@In demokratiepolitisch sensibleren STaaten wie der Schweiz wären alle diese Postings genauso strafbar
- hey man bist du irre?, weis du was du da verlangst.
sie endet garantiert in einer faschistischen Militärdiktatur, hatten wir schon mal...
@Holocoustvergleich:
dort gabs es ..."unabhängige"...Kommission die zu einem Urteil gekommen ist.
Erinnere: Nürnberger Prozesse...
also warum drücken sich die Armenier und jene die eher der armenischen Version glauben schenken, vor einer Historikerkommission.
das angestrebte Ziel vielleicht nicht haltbar?

sie machen der Legende von ihrem Nick alle Ehre.

Udys
21
11.6.2006, 08:38
In der Türkei gab und gibt es Generäl keine Freiemeinungsäußerung/Pressefreiheit!

So der jüngste Bericht der EU-Kommission der am 12. Juni beim Türkei-EU-Assoziationsrat in Luxemburg präsentiert wird.

http://www.diepresse.com/Artikel.a... &id=563393

>>"Im Bereich der Religionsfreiheit kann kein konkreter Fortschritt festgestellt werden, was die Schwierigkeiten nicht-moslemischer religiösen Minderheiten angeht", lautet einer der Kritikpunkte. Der Regierung in Ankara wird unter anderem vorgeworfen, in der Türkei lebende Christen zu diskriminieren. Das EU-Dokument weist zudem auf die "Berichte über Folter und Misshandlungen" sowie auf "die zahlreichen Fälle von Personen hin, die vor Gericht stehen, weil sie gewaltfrei ihre Meinung geäußert haben".<<

Udys

Gurben Gurben
11
12.6.2006, 13:45

dann sagen sie mir mal wo es DIE pressefreiheit gibt von der sie sprechen ? ....

spiralvoice
11
14.6.2006, 14:27

Bestimmt nicht in der Türkei. Dieses Land ist nicht EU-fähig

Pendolino
12
11.6.2006, 18:21

na dann werde ich mal gewallt frei für die al-qaida in österreich werben und schau wir mal wie weit hier die pressefreiheit und meinungsfreiheit geht.....
sie dummschwätzer!!

moribundo
10
13.6.2006, 15:35

Ich denke es gibt einen Unterschied zwischen:
In den Genozid an den Armeniern zu diskutieren und Werbung für eine Terrororganisation zu machen.
Sogar einen sehr großen!!!
Und dieser große Unterschied, ist der Unterschied zwischen einer freien Meinungsäußerung und Volksverhetzung / dem Aufruf zu Mord und Gewalt!

turkish honey
33
Sie scheinen sich zu widersprechen

Einerseits sagen Sie, dass in der Türkei nur eine Meinung erlaubt ist, weswegen sie auch irrelevant sei, andererseit preisen Sie die Schweiz, wo auch nicht unbedingt mehr als eine Meinung gestattet ist.

MiamiLover
 
23
Arroganz und Ignoranz bis zum geht nicht mehr!

Sie können ja denken was Sie wollen, aber ich finde es sehr beschämend, dass Sie sagen, dass die türkische Meinung irrelevant sei. Mit dieser Einstellung- die türkische Sicht sei nichts wert- geben Sie auch ein Signal zu den türkischen Mitbürgern in Mitteleuropa. Was ihr denkt ist egal...unsere Meinung ist die richtige! Warum sollten sich die Ausländer (vor allem Türken) bei solchen Umständen überhaupt anpassen, wenn sie sowieso nicht ernst genommen werden?! Ihre Einstellung, die Arroganz und Ignoranz ist meines Erachtens eines der Hauptgründe für das Scheitern einer Integration. Echt traurig! Aber da nicht alle so rechthaberisch wie Sie denken, habe ich noch Hoffnung!

Pontios
22
Wissenswertes (3)

Am 24. April 1923, einen Tag nach Einführung des Parlaments der neuen türkischen Republik, verurteilte Mustafa Kemal (später Atatürk) die Vernichtung der Armenier als Schandtat – wenngleich bereits als »Schandtat der Vergangenheit« (maziye aid fazahat). Wenig später übernahmen einige Mittäter und Profiteure der Deportationen wichtige Funktionen in seiner Nationalbewegung und der Regierung.

Pontios
23
Wissenswertes (2):

Wegen Massenmord wurden in den drei Istanbuler Verfahren 17 Todesurteile verhängt und drei von ihnen vollstreckt. Die Hingerichteten gelten heute als Helden. Die in Abwesenheit zum Tode verurteilten jungtürkischen Führer mit Innenminister Talaat und Kriegsminister Enver an der Spitze waren bereits Anfang November 1918 an Bord eines deutschen Schiffes geflohen. Talaat ließ sich in Berlin nieder. Im März 1921 erschoss ihn ein Student, der seine gesamte Familie auf dem Todesmarsch verloren hatte. Enver fiel im August 1922 in Mittelasien in einem Gefecht mit bolschewistischen Truppen.

Sunny Boy3
33
"Operation Nemesis" und die Lüge des Studenten der Talat in Berlin umgebracht hat.. von Rolf Hosfeld!

Lesen Sie mal das Buch von Rolf Hosfeld und Sie werden sehen,dass dies eine Lüge war!

Der Student gab als Motiv an,dass seine ganze Familie im Osmanischen Reich umgebracht worden war!
Dabei stellte sich später heraus,dass seine Familie zu keinem Zeitpunkt in Anatolien war,sondern immer in Erivan gelebt hat!
Die damalige Deutsche Justiz glaubte Ihn und liess Ihn wieder frei!

Pontios
12
Wissenswertes (1):

Aus dem Artikel in "die Zeit", 23.03.2005:

Am 3. März 1919 setzte Sultan Mohammed IV. den ersten Strafgerichtshof der Geschichte für die Aburteilung von »Verbrechen gegen die Menschheit« ein. Auf dieses Militärtribunal in Istanbul hatten zwar die Siegermächte England und Frankreich gedrängt. Doch im Gegensatz zu den Nürnberger Prozessen entschieden türkische Richter nach osmanischem Recht.
Die Anklage wies alle Argumente zurück, dass die Kriegslage im Osten die Deportationen ausgelöst habe. Zum Beweis führten die Staatsanwälte die Verschleppungen der Armenier aus westtürkischen Städten an. Das Gericht stellte fest, dass weder militärische Zwänge noch Disziplinarmaßnahmen die Vertreibung diktiert hätten.

Sunny Boy3
32
Obwohl den Siegermächten(FR.+GB) alle Osmanischen Archive zur verfügung standen,konnten sie nichts beweisen..

Wieviele Verurteilungen gab es damals?

Warum ist erst seit 1965, also nach 50 Jahren dieser Ereignisse den Armenier eingefallen,dass es ein "Genozid" gewesen sein soll..?

Warum scheuen sich die Armenier diese Ereignisse durch Internationale unabhängige Historiker klären zu lassen?

Nur durch Druck und Mafia ähnlichen Strukturen hat die Armenische Lobby es geschafft,die Weltöffentlichkeit von Ihrer These zu überzeugen und es in verschiedenen Länder Parlamenten durchboxen lassen!

spiralvoice
21
14.6.2006, 14:32

Nur durch Druck und Mafia ähnlichen Strukturen hat die türkische Regierung es geschafft,die Weltöffentlichkeit davon abzubringen, den Völkermord an den Armeniern als das zu bezeichnen, was es ist, nämlich Völkermord.

Wie kann es sein, dass die türkisch-islamistische Regierung Druck auf die brandenburgische Landesregierung ausübt, wegen eines Schulbuches, in dem die Wahrheit gesagt wird?
Die Türkei droht mit Wirtschaftssanktionen gegen Frankreich, weil die Nationalversammlung den Völkermord an den Armeniern anerkannt hat.

Die Türkei ist ein verabscheuungswürdiges Land und vollkommen EU-unfähig!

Sunny Boy3
11
14.6.2006, 20:50
Jedes Land darf sich wehren..

auch die Türkei darf es..

Ausserden finde ich,dass die Armenierlobby Weltweit mit Mafia ähnlichen Methoden arbeitet und alle Politiker versucht unter Druck zu setzen!

PS. Schauen Sie sich mal andere Länder an,die haben noch viel mehr Dreck am stecken..
Zum Beispiel:Frankreich-Völkermord in Algerien.

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