Weitere EU-Razzia bei Energiefirmen

22. Juni 2006, 18:49
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Nach ihren Razzien wegen verdächtiger Machenschaften auf dem Gasmarkt wird die EU offenbar auch wegen möglicher illegaler Absprachen auf dem Strommarkt aktiv

Berlin/Brüssel/Düsseldorf - Fahnder der EU-Kommission und des deutschen Bundeskartellamts haben am vergangenen Dienstag die Zentralen des größten deutschen Energiekonzerns E.ON in Düsseldorf und München durchsucht, berichtete die "Berliner Zeitung" (Donnerstagsausgabe) unter Berufung auf EU-Dokumente.

Auslöser der Razzien seien Hinweise "auf die Existenz von Vereinbarungen zur Marktaufteilung" zwischen E.ON und seinem Hauptkonkurrenten RWE aus Essen gewesen, zitierte das Blatt aus den Unterlagen der Kommission.

Beschlagnahme von Unterlagen

Die "Berliner Zeitung" berichtete, die Ermittler hätten die Zentrale des Konzerns in Düsseldorf am Dienstag durchsucht und zeitgleich bei einer Vorstandssitzung der Tochter E.ON Energie in München Unterlagen, elektronische Korrespondenz und Speichermedien beschlagnahmt. Die EU-Kommission habe Hinweise darauf, dass es Marktabsprachen mit dem Konkurrenten RWE gegeben habe, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ihr vorliegende EU-Dokumente. Die EU-Kommission hatte am Dienstag von erneuten Durchsuchungen bei deutschen Energiekonzernen wegen des Verdacht des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung berichtet. Die Namen der Unternehmen nannte sie nicht. Von E.ON war seither keine Stellungnahme zu erhalten, ob der Konzern betroffen war.

RWE hatte erklärt, es habe am Montag keine Durchsuchungen bei dem Unternehmen gegeben. Mitte Mai hatten RWE und E.ON "Nachprüfungen" der EU-Kommission in ihren Häusern bestätigt. Am Donnerstag war zunächst von RWE und auch erneut von E.ON keine Stellungnahme zu erhalten.

Die "Berliner Zeitung" berichtete, ihr lägen Dokumente vor, wonach die EU-Kommission "in den Besitz von Hinweisen gekommen" ist, "welche auf die Existenz von Vereinbarungen zur Marktaufteilung" zwischen großen deutschen Stromversorgern "hindeuten". Konkret würden E.ON und RWE genannt. Diese sollen den Hinweisen zufolge vereinbart haben, "die gegenseitigen traditionellen Liefergebiete zu respektieren".

Verdacht auf Vereinbarungen

Nur das Top-Management und wenige Mitarbeiter beider Firmen sollen an den Absprachen beteiligt sein, wie es weiter hieß. Die Ermittler hätten Unterlagen, Datenträger und Computer der Konzernleitung um E.ON-Chef Wulf Bernotat beschlagnahmt. Den Hinweisen zufolge hätten E.ON und RWE auch vereinbart, "die gegenseitigen traditionellen Liefergebiete zu respektieren" und sich dort keine Konkurrenz zu machen.

Bereits Mitte Mai hatte die EU-Kommission in Deutschland und fünf weiteren Ländern große Gasversorger durchsuchen lassen. Auch damals gehörten der Essener RWE-Konzern und die E.ON-Tochter Ruhrgas zu den betroffenen Firmen. In Österreich waren vor etwas mehr als zwei Wochen auch die Gastochter der OMV und zwei österreichische Töchter des italienischen Energieriesen ENI durchsucht worden.

Kommission schweigt

Die EU-Kommission hat einen Kommentar über die angeblichen Durchsuchungen bei dem größten deutschen Energiekonzern E.ON abgelehnt. "Die Kommission kann nicht bestätigen, dass es Razzien bei E.ON und E.ON Ruhrgas gegeben hat", sagte ein Sprecher der Kommission am Donnerstag.

"Die Kommission hat am Dienstag bestätigt, dass es Razzien bei deutschen Energiekonzernen gegeben hat, und das ist alles, was wir sagen können", fügte der Sprecher hinzu. Die EU-Kommission hat auch in der Vergangenheit abgelehnt, die Namen von durchsuchten Unternehmen zu nennen. (APA/AFP/Reuters)

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