Digitalisierung bringt Verlagen neuen Schwung

8. Juni 2006, 10:24
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Internet und Auslandsgeschäft sind neue Einnahmequellen

Die deutschen Verlage setzen verstärkt auf neue Einnahmequellen. Wie eine Studie des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zeigt, sollen vor allem Digitalisierung und Internationalisierung künftig die Kassen zum Klingeln bringen. Die neuen Erlösquellen Internet, Nebengeschäfte und Auslandsaktivitäten tragen derzeit rund zwölf Prozent zum Gesamtumsatz bei. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll sich dieser Anteil auf etwa 25 Prozent mehr als verdoppeln. Am größten sind die Erwartungen der Verleger an die voranschreitende Digitalisierung. "Die allgemeine Stimmung unter den deutschen Verlegern ist durchaus gut. Viele haben schon den Einstieg in neue Geschäftsfelder versucht", erklärt Alexander Reibnitz, Geschäftsführer Digitale Medien und Neue Geschäftsfelder im VDZ, gegenüber pressetext.

Umsatzanteil des Internets

Der Umsatzanteil des Internets soll bis zum Jahr 2009 von derzeit 4,6 auf 11,6 Prozent steigen. Für den Anteil mobiler Dienste geht der VDZ von einem Wachstum von derzeit 0,2 auf 2,0 Prozent aus. Selbst der in den Kinderschuhen steckende Bereich des Web-Fernsehens wird von den Verlagen bereits vermehrt wahrgenommen. Bereits ein Fünftel hat schon konkrete Pläne für dieses Segment. Das Stammgeschäft, besonders das Anzeigen- und Vertriebsgeschäft, verzeichne hingegen kontinuierlich relative Rückgänge. "Den großen Verlagen fällt es jedenfalls leichter, sich auf die neuen Einnahmequellen einzustellen als den kleinen", erklärt Reibnitz. Insgesamt wurden 60 verschiedene Verlage, davon 21 Publikumszeitschriften-, 33 Fachzeitschriften- sowie sechs Zeitungsverlage, nach Relevanz, Nachhaltigkeit und Erfolgsfaktoren von Wachstumsfeldern und deren Auswirkung auf das Kerngeschäft befragt.

Bücher, DVDs und CDs

Derzeit vertreiben zwei Drittel der Verlage neben ihrem Hauptgeschäftsfeld auch Bücher, DVDs und CDs. Für die Zukunft sehen sie in diesem Bereich jedoch nur noch wenig Wachstumspotenzial. Völlig irrelevant wird ein Einstieg in verlagsferne Segmente, wie dem Verkauf von Mode oder Schmuck, bewertet. Neben der Digitalisierung setzen die deutschen Verleger vielmehr auf das Auslandsgeschäft. Schon heute sind mehr als die Hälfte international aktiv und ein weiteres Viertel plant, künftig in das Auslandsgeschäft einzusteigen. Kleine Unternehmen unter 15 Mio. Euro Jahresumsatz schrecken vor der Internationalisierung allerdings noch etwas zurück. Grund dafür sind die hohen Investitionskosten sowie fehlende Managementkapazitäten.

Digitalisierung

Laut Studie werden bei Digitalisierung sowie dem Auslandsgeschäft die Zuwächse künftig stark von Akquisitionen abhängig sein, da viele Bereiche schon mit starken Playern besetzt sind. In Deutschland haben etwa 20 Prozent der Verlage bereits erfolgreich neue Umsätze mit den neuen Wachstumsstrategien generieren können. In vielen anderen Märkten sei bereits viel im Bereich der neuen Geschäftsfelder gemacht worden, Deutschland hole derzeit aber sehr gut auf, sagt Reibnitz im pressetext-Gespräch. Neben dem Umsatz- und Profitwachstum werden von den Verlagen zudem eine "stärkere Kundenbindung", "Verbesserung des Markenprofils" und eine "Abrundung des Portfolios" als positive Effekte angegeben. (pte)

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