Musikrundschau: Im Spielzimmer des Pop

1. Juni 2006, 20:01
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Neue Alben von Hot Chip und Primal Scream

HOT CHIP
The Warning
(EMI)
Ihr ebenso mitreißender wie zurückgelehnter Song Over And Over ist mit seinen diversen Remixes derzeit in Clubland zwischen Indie Rock und Elektronik die letzte Rettung für DJs, wenn es darum geht, die Leute auf die Tanzfläche zu bekommen. Allerdings lassen sich die in London beheimateten Pop-Nerds nicht allein auf menschenfreundliche Tanzsause festmachen. Was hier auf dem Nachfolgealbum des charmanten Debüts Coming On Strong aus 2004 geboten wird, ist die 2006 zwingendste Form intelligenter und zitatfreudiger wie auch zukunftsgerichteter Popmusik, die man für gutes Geld kaufen kann.

Das fünfköpfige Kollektiv um die beiden Keyboarder und Sänger Alexis Taylor und Joe Goddard erweist zusätzlich bewaffnet mit Gitarre, Drumcomputer und fröhlichen Kinderrasseln auch als großer Kenner der Geschichte. Zwischen Pet Shop Boys, sperrigen Techno-Niedlichkeiten im Stile eines Aphex Twin, schlaffem R'n'B, ebenso fluffigem Soft-Rock aus den 70er-Jahren wie ihn die rechts erwähnten französischen Phoenix praktizieren und immer wieder Querverweisen zu den mit Schmelzkäse-Streichern aufgewerteten Schlafzimmer-Funk-Balladen eines Prince und schaumgebremster Disco wie House entstehen wunderbare Songs. Viel besser wird es heuer nicht mehr werden.

PRIMAL SCREAM
Riot City Blues
(Sony BMG)
Die alten schottischen Dancefloor-Rocker (Screamadelica) wollen nach Meisterleistungen wie Xtrmntr aus 2000 wieder einmal Geld verdienen. Sie stellen nach Give Out But Don't Give Up aus 1994 zum zweiten Mal die Rolling Stones aus der Zeit von Gimme Shelter nach. Eins zu eins. Wir haben es hier also mit dem besten Stones-Album seit 12 Jahren zu tun. (schach / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.6.2006)

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