Handke wehrt sich medial

1. Juni 2006, 18:00
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In SZ-Beitrag: Loyalität zu Milosevic sei nicht das Motiv gewesen

Hamburg/München - Im Streit um die geplante Vergabe des Heinrich-Heine-Preises an Peter Handke hat sich der Schriftsteller erneut persönlich zur Wehr gesetzt. Handke, dem in der Debatte um die Kriegsschuld auf dem Balkan eine pro-serbische Parteinahme vorgehalten wird, räumte in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" vom Donnerstag ein, dass alle Beteiligten der Jugoslawien-Kriege Verbrechen begangen hätten.

Das serbische Massaker an Muslimen im Juli 1995 in Srebrenica bezeichnete er als "das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde". Srebrenica sei eine "abscheuliche Rache der serbischen Streitkräfte" gewesen.

Wider die Sprache der Medien

Zu seiner scharf kritisierten Teilnahme an der Beisetzung des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic im März sagte Handke, er habe gegen eine Vorverurteilung und die Sprache der Medien angehen wollen. Loyalität zu Milosevic sei nicht das Motiv gewesen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte bereits am Dienstag eine Entgegnung Handkes veröffentlicht.

Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler, die in der zwölfköpfigen Jury zu den Befürwortern der Heine-Preisverleihung an Handke zählte, kritisierte in der "Süddeutschen Zeitung" derweil die öffentlichen Äußerungen einiger Jury-Mitglieder. "Jury-Sitzungen müssen vertraulich bleiben. Es ist eine unglaubliche Verwahrlosung von guten Jury-Sitten, wenn Juroren diese Verschwiegenheit brechen", sagte sie.

Fassung französischer Texte

Die "SZ" druckt in ihrer Donnerstag-Ausgabe eine ausführliche Stellungnahme Peter Handkes ab. Der Text sei eine bearbeitete, veränderte und ergänzte Fassung zweier Artikel, die in der französischen Tageszeitung "Liberation" schienen sind und aus dem Französischen übersetzt wurden, hieß es. (APA/dpa)

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