Friedensappell für Osttimor

16. Juni 2006, 11:20
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Präsident Xanana Gusmao ruft zur Einheit auf - 100.000 Menschen auf der Flucht - 70.000 Menschen lebten in der Hauptstadt in Lagern

Dili - Der Präsident Osttimors, Xanana Gusmao, hat die verfeindeten Gruppen seines Landes am Donnerstag zur Beilegung ihres Konfliktes aufgerufen. "Lasst uns vergessen, was passiert ist, die Gewalt, die stattgefunden hat", sagte Gusmao bei einem Besuch im Polizeihauptquartier der Hauptstadt Dili.

Der Führer der rebellischen Soldaten, Kommandant Alfredo Reinado, forderte erneut die Entlassung von Regierungschef Mari Alkatiri. Der Regierungschef sei ein Krimineller und dürfe nicht weiter im Amt bleiben, sagte Reinado. Gusmao habe einen Fehler begangen. Nach tagelangen Ausschreitungen in Dili hatte der Präsident am Dienstag den Verteidigungs- und den Innenminister entlassen und erklärt, er übernehme für 30 Tage die Kontrolle über Armee und Polizei. Entgegen den Forderungen von Demonstranten und rebellierenden Soldaten verzichtete er aber auf die Entlassung von Alkatiri. Dessen Entscheidung, Ende April rund 600 Soldaten aus der Armee zu entlassen, hatte heftige Unruhen ausgelöst, bei denen mindestens 27 Menschen getötet wurden.

Wegen der Straßenkämpfe sind mindestens 100.000 Menschen aus den umkämpften Gegenden von Dili geflohen. Bewaffnete Banden zogen durch mehrere Teile der Hauptstadt, die immer deutlicher Spuren der Verwüstung zeigt. In der Nähe des Flughafens gingen rivalisierende Gruppen von Jugendlichen mit Macheten aufeinander los.

Leben in Lagern

Immer wieder waren Schießereien zu hören. Schätzungsweise 30.000 Bewohner hätten Dili wegen der Kämpfe bereits verlassen, sagte Kym Smi- thies, Sprecherin einer Gruppe von etwa 30 privaten Hilfsorganisationen. Rund weitere 70.000 Menschen lebten in Lagern in der Hauptstadt, nachdem sie aus ihren Häusern geflohen seien. Etliche Einwohner wurden schwer verletzt.

Neue Friedenstruppen

Unter dem Eindruck der Krise trafen auf Bitten der Regierung weitere Kontingente von ausländischen Truppen in Osttimor ein. Am Mittwoch landeten 160 Soldaten aus Neuseeland. Bereits Ende vergangener Woche kamen 2.000 australische Soldaten an. Bis Ende der Woche werden 120 Angehörige einer paramilitärischen Einheit aus Portugal erwartet.

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    In Osttimors Hauptstadt Dili gehen rivalisierende Bandenmitglieder auch mit Schleudern aufeinander los.

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