Suchtprävention an Schulen

1. Juni 2006, 04:50
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Zum gestrigen Nichtrauchertag zog der Landesschulrat in Sachen Suchtprävention eine Zwischenbilanz. Die Beratungsanfragen an die Kontaktstelle in Sucht- und Gesundheitsfragen (KIS) steigen.

Salzburg - Die Kontaktstelle in Sucht- und Gesundheitsfragen (KIS) erhält immer mehr Anfragen zur Suchtproblematik an den Salzburger Schulen. 2004 wurden 125 Fälle von Sucht an den Schulen registriert, 2005 waren es 184 Fälle. Dass die Inanspruchnahme der Einrichtung steigt, ist laut Landesschulrat kein Grund zur Panik, vielmehr als eine erfolgreiche Sensibilisierung der Schulen zu verstehen. „Es gibt praktisch keine Schule mehr in Salzburg die das Thema Sucht bei den Jugendlichen nicht anspricht.“, berichtet Wolfgang Grüll, Leiter der KIS. Das Programm des KIS setzt dabei auf Suchtprävention über die Stärkung des Selbstwertgefühls der Teenager. Dem Druck und Zwang in der Gruppe soll so entgegen gewirkt werden.

Alkohol als Einstiegsdroge

30 % der österreichischen Jugendlichen probieren zumindest einmal illegale Suchtmittel aus. Das Probieralter ist im Sinken und liegt im Schnitt bei den 13 bis 15-jährigen. Zu legalen Suchtmitteln, wie Alkohol und Nikotin wird schon viel früher gegriffen. Diese legen allerdings den Suchtweg zu illegalen Drogen, wie Cannabis, LSD und Kokain. Alkohol ist dabei die Einstiegsdroge Nummer eins. Die 184 gemeldeten Suchtfälle bei 80.000 Salzburger Schülern zeigen, dass die Schule nicht als Umschlagplatz für Drogen zu sehen ist. Trotzdem ist nichts zu verharmlosen oder gar wegzuschauen.

Hinschauen und nicht wegschauen

Quantitative wie qualitative Verbesserungen des KIS wurden und werden umgesetzt. Erfolgreich ist vor allem die Ausbildung von Vertrauenslehrern. Diese Vertrauenslehrer ersetzen die Tätigkeit der ehemaligen Drogenberatungslehrer und werden vor allem in Kommunikation mit den Jugendlichen geschult und für das Thema Sucht sensibilisiert. Ganz nach dem Motto des KIS „Hinschauen und nicht wegschauen, helfen statt strafen.“ Es gibt bereits 281 Vertrauenslehrer im Land Salzburg. Ziel ist es an jeder Schule des Landes mindestens einen Vertrauenslehrer auszubilden. Derzeit sind noch ein Viertel der 380 Salzburger Schulen ohne Vertrauenslehrer.

Multiplikatoren

Viel wichtiger als die Arbeit auf der Schüler-Lehrer-Ebene wird die Suchtprävention auf der Schüler-Schüler-Ebene eingeschätzt. „Gleichaltrige Schüler, Schülerinnen hören aufeinander viel besser und wirken auch glaubhafter als Erwachsene.“ erklärt der Präsident des Landesschulrates Herbert Gimpl. Seit Oktober 2003 werden so genannte Multiplikatoren ausgebildet. Jugendliche im Alter von mindestens 16 Jahren werden an die Suchtproblematik herangeführt, erlernen Konzepte der Prävention und nehmen an einem erlebnispädagogischen Tag teil. Klettern in luftiger Höhe setzt die Jugendlichen einer Extremsituation aus und hilft so das Selbstbewusstsein zu stärken. Für das nächste Schuljahr wird es auch ein Programm für die 10 bis 14-jährigen Schüler geben.(rok)

  • Alkohol und Nikotin sind als legale Suchtmittel oft Einstiegsdrogen

    Alkohol und Nikotin sind als legale Suchtmittel oft Einstiegsdrogen

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