Liechtenstein Museum: Stolz bis in die Fingerspitzen

8. Juni 2006, 20:22
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Die Neuerwerbung "Ein Nubier" von Hans Makart wird in Wien als "Kunstwerk des Monats" präsentiert

Anschließend kommt das Bild in die Biedermeier-Präsentation nach Vaduz.


Wien - Fürst, wem Fürstliches gebührt. Als Johann Kräftner am Abend des 30. Novembers vergangenen Jahres die Auktion im dicht besetzten Saal des Dorotheums verfolgte, hatte er mehr als nur ein bestimmtes Werk im Visier.

Ferdinand Georg Waldmüllers Die unterbrochene Wallfahrt hatte er bereits der Sammlung des Fürsten Liechtenstein mit einem Budget von netto 1,1 Millionen Euro gesichert, als mit Lot Nummer 135 Hans Makarts mit Ein Araber betiteltes Gemälde aufgerufen wird.

Das auch vom Wiener Handel deponierte Interesse für die 1875/76 entstandene Arbeit des Malerfürsten überstieg den oberen Schätzwert von 90.000 Euro schnell, und bei 190.000 Euro netto fiel der endgültige Zuschlag zugunsten Johann Kräftners.

Ab Freitag, dem 2. Juni, erstrahlt es nun als Ein Nubier in neuem, frisch restauriertem Glanz im Treppenhaus des Lichtenstein Museums, wo es dem Titel Kunstwerk des Monats alle Ehre macht.

Zu den bislang bleibendsten Eindrücken des Makart'schen Werkes zählt Johann Kräftner den Einzug Kaiser Karls V. in Antwerpen, "ein Bild, das so viele Geschichten wie ein ganzes Buch erzählt" und sich heute in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle befindet. Als Makart den Einzug Kaiser Karls V. in Antwerpen im Februar 1878 im Wiener Künstlerhaus präsentierte, stellten sich nicht weniger als 34.088 Personen an, um das gewaltige Gemälde zu sehen.

Zur Freude Makarts, dem die Bewunderung einen Reingewinn von mehr als 13.000 Gulden verschaffte. Was die Faszination der jüngsten Erwerbung ausmacht? "Der exzellente Erhaltungszustand des Bildes", so Johann Kräftner, und vor allem Details wie "die wunderbare Hand des Nubiers, die allein schon dessen ganzen Stolz zum Ausdruck bringt".

Nubier im Kontext Im Anschluss an die aktuelle Präsentation wird Der Nubier erstmals von 30. März bis 20. August 2007 in der Biedermeier-Ausstellung im Liechtenstein Museum in einen entsprechenden Kontext gestellt - "dem wunderbaren Bild von Francesco Hayez, Il Consiglio alla Vendetta (1851), gegenüber", so viel verrät Johann Kräftner schon jetzt.

Die letzte monografische Präsentation des Werks von Hans Makart veranstaltete das Historischen Museum der Stadt Wien (Wien Museum) zur Jahrtausendwende. Auf dem Kunstmarkt ist Hans Makart hingegen eine konstante, aber wohl dosierte Größe.

Derzeit bieten etwa Giese & Schweiger die in den frühen 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts entstandene Ölstudie Blindekuhspiel, ein charmantes mit 65.000 Euro veranschlagtes Salonstück. Ein Blick auf den Auktionsmarkt belegt, dass die Nachfrage an Makarts uvre 2005 stärker war als je zuvor: 13 Arbeiten wechselten in den internationalen Auktionssälen den Besitzer und sorgen für einen weltweiten Gesamtumsatz von knapp 387.000 Euro.

Das mögen im Gegensatz zu anderen Künstlern niedrige Kennzahlen sein, aber verglichen mit seinem schwächsten Jahr seit 1997 (2002: 6 Werke/ 30.534 Euro) ist das ein beachtlicher Sprung. 50 Prozent des weltweiten Makart-Angebotes gelangt in Österreich auf den Markt, erzielt aber nur 33 Prozent des globalen Umsatzes, während Großbritannien mit 14 Prozent des Angebotes für den hauptsächlichen Umsatzanteil (54 Prozent) verantwortlich zeichnet. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

Von Olga Kronsteiner

Link liechtenstein museum.at

  • Den Krummdolch im Hüftgürtel und die obligate Perlenschnur trägt der 1875/76 von Hans Makart gemalte und nun im Liechtenstein Museum als Kunstwerk des Monats präsentierte Nubier (Dorotheum 190.000 Euro netto).
    foto: dorotheum

    Den Krummdolch im Hüftgürtel und die obligate Perlenschnur trägt der 1875/76 von Hans Makart gemalte und nun im Liechtenstein Museum als Kunstwerk des Monats präsentierte Nubier (Dorotheum 190.000 Euro netto).

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