Stell dir vor, du machst eine Expo - und keiner kommt hin

6. Juni 2000, 16:24

Dann lässt du manchmal sogar Elefanten antraben

Hannover - Am originellsten haben die Österreicher und Italiener auf den Besuchermangel auf der Weltausstellung reagiert: Kurzerhand organisierten sie vier Elefanten von einem deutschen Zirkus, um Expo-Flaneure in ihre Halle 16 zu locken - hier präsentieren sich Tirol, Südtirol, Alto Adige und Trentino. "Die Elefanten haben auf der Plaza sogar Königin Beatrix begrüßt - für einen Moment galt die Aufmerksamkeit nur uns", sagt Euregio-Sprecher Matthias Fink stolz.

Noch sehen Russland und die Philippinen in Halle 17 der Situation gelassen entgegen. "Wir haben zwar mehr Besucher erwartet, aber es wird immer besser", sagt Dmitry Puzakov. Vor allem viele Schüler wandern durch die Ausstellung, bestaunen ein Modell von St. Petersburg oder proben den Sitz in einer Weltraumkapsel. "Vielleicht hätte es mehr Werbung für die Weltausstellung geben müssen", meint der Russe. Auch die Philippinen blicken noch optimistisch in die Zukunft. "Das sind doch die ersten Tagen. Nur wenn es die nächsten Wochen so bleibt, haben wir ein Problem", sagt John Paul Inigo.

"Wir haben uns mehr versprochen"

Dramatischer sieht die Situation bei den Restaurant-Betreibern aus. "Sie sehen doch, was hier los ist: nichts", sagt Adriana Geiser, Restaurantleiterin der "Casa della Pasta", und zeigt auf die leeren Reihen aberhunderter Stühle. "Wir sind sehr enttäuscht. Aber noch wollen wir keine Mitarbeiter kündigen", sagt die Rumänin. Als Reaktion auf den geringen Besucherzuspruch will die Gastronomin die Preise senken. "Das ist unsere einzige Chance."

Auch die Geschäftsleute in der Passage neben dem "Forum Wasserwelten" sind enttäuscht. "Wir haben uns mehr versprochen", sagt Hüseyin Kahrmann, Besitzer eines noblen Modegeschäftes. Auch die Mitarbeiter eines Fotogeschäfts warten noch auf Kunden. "Am Anfang war hier viel zu tun. Da wollten alle Pressefotografen ihre Bilder entwickeln", erzählt Anke Wirtz. Nebenan betreibt Anja Poulet ein Übersetzerbüro. "Am ersten Tag durften wir die Rede des Kanzlers dolmetschen, jetzt haben wir wenig Aufträge. Das liegt aber auch an der fehlerhaften Organisation. Niemand weiß, dass es unser Büro überhaupt gibt."

(APA/dpa)

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