Kopf des Tages: Die wundersame Wandlung eines Heimattreuen

21. Juni 2006, 14:18
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Josef Feldner, geläuterter Obmann des Kärntner Heimatdienstes

Der Auftritt in der Kärntner Volksabstimmungsstadt Völkermarkt war an Symbolkraft kaum zu überbieten: Josef Feldner, Obmann des Kärntner Heimatdienstes, verteidigt die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln. Seite an Seite mit den Slowenenvertretern Marjan Sturm und Bernard Sadovnig wirbt er für die Ortstafelverordnung von Kanzler Wolfgang Schüssel. So mancher Zuhörer glaubte einer Sinnestäuschung erlegen zu sein. Das war nicht ihr Feldner, jener Einpeitscher aller "Heimattreuen", der einst mit seiner Hetzpostille Ruf der Heimat gegen alles Slowenische zu Felde zog und die "Kärntner Urangst" vor slowenischer Okkupation geradezu zwanghaft am Leben hielt.

Heute bekennt der Wortgewaltige, der mit seinen flammenden Reden tausende Menschen im Kärntner Ortstafelsturm auf die Straßen brachte, freimütig: "Ja, ich bin menschlich berührt, dass ich mit den Slowenen in unserer gemeinsamen Heimat Kärnten eine Brücke bauen konnte."

Doch der Weg zur wundersamen Wandlung des Josef Feldner war weit gewesen - und wäre wohl auch nicht gelungen, hätte da nicht immer die angeborene Kämpfernatur Oberhand gewonnen. Geboren 1939 in Villach als Kind eines sozialdemokratisch gesinnten Eisenbahners, musste der Fünfjährige im alliierten Bombenhagel um sein Leben laufen. Auch die Nachkriegsnot hatte die Familie heil überstanden. Doch wie eine offene Wunde blieb die Erinnerung an die Tante und Lieblingsschwester der Mutter, die gleich nach Kriegsende von den Partisanen verschleppt und ermordet wurde.

Die "Heimat" zu verteidigen wurde fortan zur Triebfeder allen Tuns - oft genug mit den unlauteren Mitteln wilder Demagogie, gegen die selbst Bruno Kreisky aufgeben musste. Der im zweiten Bildungsweg promovierte Jurist Feldner wurde 1972 Obmann des Heimatdienstes, just zwei Wochen bevor die Ortstafelstürmer johlend durchs Land zogen und die Ortsschilder mit den verhassten slowenischen Namen aus der Verankerung rissen. Er sollte bis heute, über 33 Jahre lang, dem KHD als unumstrittener Chef vorangehen, so wie er seinem Dienstgeber, der Post, bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Jahren treu geblieben ist.

Seinen größten Kampf hat Josef Feldner, Vater einer erwachsenen Tochter, aber gegen sich selbst gefochten: "Man muss die Vergangenheit, auch wenn das Trauma noch so groß ist, irgendwann einmal überwinden." Und so wurde die alte Kette der Aufrechnungen, hier Nazi-, dort Partisanenterror in Feldners persönlicher Biografie durchbrochen. Der Heimatdienst folgte, fast ohne zu murren. Was Josef Feldner dabei gewonnen hat? Die Achtung nicht nur seiner ehemaligen Feinde, der Slowenen, sondern zuallererst die Achtung vor sich selbst. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.6.2006)

Von Elisabeth Steiner
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    foto: eggenberger
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