Österreichischer Konsul in Venezuela angeschossen: Widersprüchliche Zeugenaussagen

12. Juni 2006, 16:19
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Räuber zwangen Diplomat den Safe zu öffnen - Von Tätern fehlt jede Spur

Caracas/Wien - In Venezuelas Hauptstadt Caracas laufen nach dem Raubüberfall in der österreichischen Botschaft, bei der am Mittwoch Konsul Walter Rehberger am linken Arm angeschossen wurde, die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft auf Hochtouren. Von den Tätern fehlt freilich noch jede Spur. Über den genauen Tathergang und darüber, wie die Täter überhaupt in die diplomatische Vertretung eindringen konnten, gibt es außerdem widersprüchliche Angaben und Spekulationen.

Zu dem Vorfall kam es der Zeitung "El Universal" (Internetausgabe) zufolge gegen 7.15 Uhr, als Rehberger in Begleitung des österreichischen Handelsdelegierten die im Osten von Caracas gelegene diplomatische Vertretung betrat. Dabei sei es zu einer Auseinandersetzung mit mehreren bereits ins Gebäude eingedrungenen Tätern gekommen, in deren Verlauf der Konsul durch einen Schuss am linken Arm getroffen wurde.

"Unglückliche Bewegung"

Dieser sei allerdings nicht absichtlich abgefeuert sondern durch eine "unglückliche Bewegung" ausgelöst worden, als die Täter ihr Opfer zwangen, den Safe zu öffnen. Das Blatt beruft sich dabei auf den ermittelnden Polizeikommissar Douglas Rico, der sich seinerseits auf Aussagen von Rehberger selbst stützte.

"Mehrere Schüsse"

Laut anderen, auf Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft basierenden Berichten sind die Kriminellen während ihres Raubzuges im Inneren der Botschaft von den beiden Österreichern überrascht worden, wobei in der Folge "mehrere Schüsse" gefallen sein sollen. Einer davon habe Rehberger getroffen. In ersten Berichten hatte es auch geheißen, es sei zu einem Schusswechsel gekommen. Diese Angaben wurden jedoch nicht bestätigt.

Die Polizei räumte ein, dass die Zeugenaussagen zum Fall teilweise widersprüchlich seien. Ein Zeuge will laut einem Bericht der spanischen Nachrichtenagentur EFE gesehen haben, wie der Konsul mit den Tätern, die ihn am Parkplatz des Gebäudes abgepasst hätten, in die Botschaft gekommen sei.

Verdacht: "Interne Komplizenschaft"

Wie letztere sich überhaupt Zugang zur diplomatischen Vertretung verschaffen konnten, ist unklar. Es seien keine Spuren gefunden worden, die auf ein gewaltsames Eindringen schließen lassen, so "El Universal". Auch der Verdacht "interner Komplizenschaft" stehe im Raum. Eine Hypothese, die auch Rico nicht gänzlich ausschließt: "Die Botschaft hat Schlüssel, die nicht leicht nachgemacht werden können. Möglicherweise hat ein Schlosser oder jemand anderer ihnen die Schlüssel besorgt. Wir werden die Zylinder genau untersuchen, um festzustellen, ob sie mit eigenen Schlüsseln geöffnet wurden."

Neben dem Geld (rund 10.000 Dollar) seien auch "wichtige Dokumente" verschwunden, hieß es in einem anderen Bericht. Am Tatort habe die Polizei eine Patronenhülse gefunden, von den Tätern selbst fehlt noch jede Spur. Rehberger wurde nach dem Vorfall verletzt vom Chauffeur der Botschaft entdeckt und in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht.

Die venezolanische Regierung hat am Mittwoch den unliebsamen Besuch in Österreichs diplomatischer Vertretung "energisch verurteilt" und die Botschaften zu erhöhter Wachsamkeit angesichts der Kriminalität aufgerufen. Auch ein politischer Hintergrund wird im Zusammenhang des Raubüberfalls ins Spiel gebracht: Am Vortag eines wichtigen Opec-Treffens in Caracas sei es nicht verwunderlich, dass es Versuche gebe, die "öffentliche Ordnung" zu stören.

Die Räuber sollen bei dem Überfall rund 10.000 Dollar (7.771 Euro) erbeutet haben. Das österreichische Außenministerium bestätigte diese Summe nicht. (APA(AP/Reuters)

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