"Gleiche Heimat für alle"

21. Juni 2006, 14:18
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Dienstagabend stellten sich die Volksgruppenvertreter gemeinsam mit dem Kärntner Heimatdienst (KHD) den Fragen eines skeptischen Publikums

Völkermarkt - Noch niemals zuvor durften Kärntner Slowenen in der alten Völkermarkter Burg eine Veranstaltung abhalten. Dienstagabend stellten sich die Volksgruppenvertreter gemeinsam mit dem Kärntner Heimatdienst (KHD) den Fragen eines skeptischen Publikums. Mit dem Historiker Stefan Karner als Moderator wurde über den Ortstafel-Verordnungsentwurf von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel diskutiert. Diesen - er sieht in Südkärnten insgesamt 158 zweisprachige Ortstafeln, davon 81 neue, vor - hatten zwei Slowenenverbände und der deutschorientierte Heimatdienst im Vorfeld gemeinsam unter der Federführung Karners erarbeitet.

Die Spannung unter den Zuhörern ist besonders groß, als Josef Feldner, Obmann des KHD, das Wort ergreift: "Am friedlichen Miteinander führt kein Weg vorbei. Deutsch- und Slowenisch-Kärntner leben seit Jahrhunderten mit gleichem Heimatrecht und gleichen Pflichten miteinander." So etwas hat man aus dem Mund des bisherigen Scharfmachers noch nie gehört. Und dennoch spendet man ihm Applaus, ebenso Marjan Sturm vom slowenischen Zentralverband, der eindringlich appelliert: "An uns allen liegt es, etwas aus diesem Land zu machen, auf das wir stolz sein können." Auch Bernard Sadovnig (Gemeinschaft der Slowenen) beschwört die Zuhörer, dem Schüssel-Entwurf zuzustimmen. Nur BZÖ-Vertreter Josef Lobnig tritt weiter für eine Ortstafel-Volksbefragung ein. Erst dann sei eine dauerhafte Lösung der Ortstafelfrage möglich. Das Publikum will an diesem Abend jedoch keine Emotionalisierung mehr. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.6.2006)

Von Elisabeth Steiner
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