Kampf wegen Kärntner Hypo

13. Juni 2006, 11:05
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Die Kärntner Hypo will sich bis zu 400 Millionen Euro frisches Geld holen. Bankchef Wolfgang Kulterer rechnet damit, dass das Verfahren gegen ihn bis dahin "vorbei ist"

Wien – Der Vorstandschef der Kärntner Hypo- Alpe-Adria-Bank, Wolfgang Kulterer, schließt seinen Rücktritt nun offenbar nicht mehr völlig aus. Bei einer Pressekonferenz in Wien wurde er gefragt, ob er demissionieren werde, falls ihm die Finanzmarktaufsicht FMA ihr Vertrauen entzöge. Seine Antwort: "Je nach den Argumenten der FMA würde ich reagieren." Wie berichtet läuft gegen den Vorstand ein Verfahren der Finanzmarktaufsicht FMA, auch die Polizei ermittelt. Die Vorortprüfung ist abgeschlossen, seit Mittwoch hat der Bankchef den Bericht in Händen und bis 20. Juni Zeit, Stellung zu nehmen.

Anlass für die Turbulenzen waren Verluste aus einem Swap-Geschäft im Jahr 2004 gewesen (rund 300 Mio. Euro), die in der Bilanz nicht voll verbucht und von denen Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer laut den Vorwürfen nicht oder nicht vollständig informiert wurden. (Es gilt die Unschuldsvermutung.) Die Wirtschaftsprüfer hatten ihr Testat zurückgezogen und die Aufsichtsbehörde informiert. Seither wird zwischen Wien (FMA) und Klagenfurt (Hypo und Landeshauptmann Jörg Haider) gestritten, was das Zeug hält.

Schmerzhafte Antworten

Inzwischen ist die Bilanz für 2004 neu erstellt, sie weist einen Verlust von 99 Mio. Euro aus. 2005 hat die Bank einen Gewinn von 228 Mio. Euro gemacht. Die rote 2004er-Bilanz schmerzt Kulterer, denn nach seiner Darstellung "hätten die Bilanzprüfer auch eine Bilanz mit 68 Millionen Euro Gewinn bestätigt. Aber nach Konsultationen mit der FMA mussten sie die konservativste Bilanzierungsmethode anwenden, die es gibt; schlechter ging es nicht." Warum die Aufsicht so handle? Kulterer: "Das kann ich mir leider auch nicht erklären." FMA-Sprecher Klaus Grubelnik erklärte es dem STANDARD so: "Die Hypo-Wirtschaftsprüfer haben die FMA gefragt, ob bestimmte Vorgänge zur Bilanzierung gesetzeskonform wären – und sie haben eine Antwort bekommen."

Ein paar Antworten gibt es seit Mittwoch auch auf Detailfragen zur Kapitalerhöhung um 250 Mio. Euro, die von der Investmentbank HSBC begleitet wird. Die Kapitalspritze kann die Bank recht gut brauchen, ist sie doch 2004 und 2005 unter die gesetzlich vorgeschriebene Eigenmittelgrenze von vier Prozent gerutscht. Heuer soll dieser Schaden wieder saniert sein. Die bisherigen Hypo-Eigner (45,6 Prozent hält der Versicherer Grawe, 49,4 Prozent das Land Kärnten über seine Landesholding und fünf Prozent die Mitarbeiterstiftung) ziehen nicht mit, sodass sich ihre Anteile verwässern.

Platziert werden die frischen neun Prozent bei institutionellen Anlegern – darunter auch Hedge-Fonds, die laut Kulterer "keinen Einfluss" auf die Bank üben werden. Möglicherweise kommen weitere 100 bis 150 Mio. Euro an frischem Geld dazu: Die Grawe will rund sechs Prozent verkaufen, könnte so den Kauf der Bank Burgenland steuerlich gut verdauen, erklärte Kulterer. Das Land Kärnten werde dagegen nichts abgeben – entgegen den Ankündigungen von Jörg Haider. Bilanzturbulenzen hin oder her – bis "September oder Oktober" soll die Kapitalerhöhung platziert sein. Auch der Börsengang wird nicht abgesagt. Allerdings – und da schließt sich der Kreis zum Verfahren gegen den Bank-Vorstand – muss bis dahin auf allen Fronten und vor allem für die Anleger "Klarheit" herrschen, "bezüglich Bilanzzahlen, Management und Zukunftsaussichten", wie Heinrich Pecina klar machte, der bei den Hypo-Kapitalmarkt-Transaktionen als HSBC-Partner auftritt. Kulterer knapp: "Ich gehe davon aus, dass bis zur Kapitalerhöhung alles vorbei ist."

Haider ortet "Henker" in der FMA

Derzeit kann davon keine Rede sein. Landeshauptmann Haider hat eine Sachverhaltsdarstellung gegen die FMA-Chefs bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. Sie agierten wie "mittelalterliche Henker", tätigten Vorverurteilungen, hätten "bereits im April erklärt, dass Kulterer weg muss". Als Zeugen für ein diesbezügliches Gespräch der FMA-Chefs führt er den Gastronomen Toni Mörwald an. Der freilich "weiß von nichts", sagte er zum STANDARD, weil: "Ich kenne gar keinen FMA-Vorstand." Die Reaktion desselben auf die Kärntner Kampfansage: "Wir geben politischem Druck nicht nach und lassen uns auch durch Klagen nicht einschüchtern." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

  • Hinter diesem Papier steckt der Kopf der Kärntner Hypo, Wolfgang Kulterer. Sein Schicksal entscheidet sich bald.
    foto: standard/heribert corn

    Hinter diesem Papier steckt der Kopf der Kärntner Hypo, Wolfgang Kulterer. Sein Schicksal entscheidet sich bald.

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