Bei mir ums Eck oder auch weiter weg

12. Juni 2006, 16:18
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Ganz Wien zeigt Architektur von innen

Unter dem bewährten Motto "Architektur von innen" öffnen sich in allen Wiener Bezirken Gebäude, die sonst schwer bis nicht zugänglich sind. Architektur ist eine öffentliche Angelegenheit, sollte man meinen. Sie prägt die Stadt, den Lebensalltag, ist Ausdruck der kulturellen Produktion. Aber mehr als Fassadenschauen lassen die meisten Bauten nicht zu.

Für die Architekturtage öffnen sich daher Wohnungen, Privathäuser, Büros und Ateliers. Eine Fülle von Dachausbauten, Kleingarten-, Passiv- und Niedrigenergiehäusern kann man unter kundiger Führung der Architekten und Architektinnen kennen lernen. Jede Tour – und "nicht nur die gängig schicken Bezirke", wie Kuratorin Iris Meder betont – beinhaltet zwei Bauten und einen Atelierbesuch.

Ein weiteres Format, auf das die drei Kuratorinnen Felicitas Konecny, Iris Meder und Sandra Wattie setzen, sind Grätzlführungen. Diese Stadtspaziergänge der besonderen Art, fachkundig unterstützt von den Gebietsbetreuungen, öffnen die Augen für das eigene oder andere Grätzl und für das Zusammenspiel von Architektur, Stadtplanung, Freiraum- und Verkehrsplanung als Lebensumgebung. Träger der Wiener Architekturtage ist die Österreichische Gesellschaft für Architektur. Die Kooperation mit Bratislava – ein eigener Shuttlebus stellt die Verbindung her – geht bereits in die dritte Runde. Dortiger Träger ist der Slowakische Architektenverein. Kuratorin Henrieta Moravcikova setzt heuer auf zeitgenössische Architektur mit dem Schwerpunkt Wohnbau.

Offene Ateliers

Eine Reihe offener Ateliers in Bratislava wie in Wien ergänzen des Programm und geben Einblick in den (nicht) ganz normalen Architekturalltag. Den Auftakt macht am 8. Juni ab 19 Uhr das Architektur.Fest.Europa im Architekturzentrum, im Architekturzentrum gastiert außerdem die Wanderausstellung "Wonderland – Junge Architektur aus Europa", die nach erfolgreicher, mit jedem Ort gewachsener Europatournee nach Österreich zurückgekehrt ist. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.

Was sich Iris Meder für die Architekturtage in Wien wünscht, ist das "Abbauen von Schwellen und Bewusstsein und Gefühl für Architektur". Der Mehrwert der Architektur-Heranführung, spontan, kostenfrei und für die meisten Touren ohne Anmeldung, liegt auf der Hand. Ist das Interesse erst geweckt, profitiert langfristig die ganze Stadt. (Elke Krasny, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

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