Maribor und Ljubljana sind nicht mehr weit!

12. Juni 2006, 16:18
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Architekturvermittlung in der Steiermark

Architekturvermittlung ist an sich ein schwieriges Unterfangen. Nicht weil es so wenig zu vermitteln gäbe, sondern weil der Zugang für die Sensibilisierung und für den Wert von Architektur sich oft in großen Themen wie Museumsbauten verliert oder – bei kleineren Bauaufgaben wie etwa Einfamilienhäusern – vielleicht sogar in Designfragen. Und: Wir sind ohnehin ständig umgeben von Gebautem und Gebäuden. Wohin man schaut, ein architektonisches Detail. Obwohl immer noch Klagen über die geringe Präsenz von Architektur zu hören sind, hat sich in den letzten Jahren ohne Zweifel Architektur in den Medien breit gemacht.

So paradox es erscheinen mag, die Differenzierung von Architektur wird für den Laien kompliziert. Vereinheitlichte Ästhetik der Bildsprache mit wenig Inhalten und Themen und immer neue Namen von Architekturbüros machen die Szene zu einem unübersichtlichen Massenauftritt, der nach Luxusdesignhütten riecht. Das Wesentliche, wie der Vorstand des "Hauses der Architektur", des steiermärkischen Veranstalters der Architekturtage 2006, meint, gehe in diesen Darstellungen vermehrt unter. Relevante Themen, denen sich Architektur außerhalb des "Schick" stellen sollte, sind zu wenig vorhanden.

Betrachtet, erlebt, diskutiert

Unter dem Gesichtspunkt der sozialen, politischen Relevanz oder der "Komplexität von Normalität in der Architektur" soll Architektur während der Architekturtage betrachtet, erlebt und diskutiert werden. Generations- und disziplinübergreifend wurde das Programm gestaltet: Architekturausflüge, Exkursionen für Kinder und Jugendliche, Kinderworkshops, Ausstellungen und – nicht zu vergessen – das Abschlussfest sollen Architekturinteressierte aller Altersstufen mit den Produzenten, Bewohnern, Benutzern und Bauherrn zusammenbringen, um jenseits des Alltags über den Alltag von Architektur zu sprechen.

Auch für die Architektenschaft selbst ist etwas dabei: Das Archiv des Hauses der Architektur wurde geöffnet und ist während der Architekturtage für alle zugänglich. Da die Steiermark eine dichte Architekturgeschichte und das Haus der Architektur der erste Ausstellungsraum dieser Art in Österreich war, gibt es sicher viel zu entdecken. Und am Ende vielleicht noch ein möglicher Ausblick auf die Architekturtage 2008: Nach der Kooperation von Wien und Bratislava könnte dann vielleicht auch Maribor oder Ljubljana mit auf der Ausflugsliste stehen? (Manuela Hötzl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

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