Der Bauprozess als Ortstermin

12. Juni 2006, 16:18
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Salzburg für Mozartmüde

Auch heuer sollen die Architekturtage in Salzburg keineswegs im Zeichen der leidigen Festspielhaus-Reibereien stehen. Abseits der Baustelle für den Jubilar gibt es schließlich eine erkleckliche Reihe anspruchsvoller Bauaufgaben zu bestaunen. "Es geht uns darum aufzuzeigen, welche Akteure beteiligt sind und wie komplex der Arbeitsablauf für das Schaffen von Architektur ist", erklärt Andrea Großschädl von der Salzburger Initiative Architektur. Getreu dem diesjährigen Motto "Architektur schafft Orte" bilden daher neben dem Planungsbüro auch weitere Stationen auf dem Weg zur Baustelle einen sehenswerten Schauplatz, seien es Steinmetzbetrieb, Sägewerk oder Tischlerei.

Die präsentierten Bauten freilich tragen, aller Ortsverbundenheit zum Trotz, nicht ausschließlich die Handschrift Salzburger Architekturbüros – man will die grammatische Nabelschau ja nicht übertreiben. Vielmehr wurde darauf geachtet, noch mehr Projekte im Rahmen geführter Exkursionen zu präsentieren. "Sonst wäre es zu unübersichtlich", so Großschädl über die Herausforderung, in der Kürze möglichst viele Perlen aufzufädeln.

Spaziergänge

Drei Orte stehen im Blickpunkt der Veranstaltungen: der Hanuschplatz als Ausgangspunkt für innerstädtische Bustouren, Architekturspaziergänge und öffentliche Aktionen des Mozarteums, der Schöndorfer Platz in Hallein, der von Studenten des neu geschaffenen FH-Studiengangs Baugestaltung Holz bespielt wird, und das Kulturhaus Nexus in Saalfelden, das die Signale aus dem ländlichen Raum bündeln wird.

Für Letztere ist in diesem Jahr vor allem eine Gruppe Pinzgauer Architekten verantwortlich, die seit geraumer Zeit gemeinschaftlich agiert und dank regelmäßiger Sommerakademien mit Studenten der TU Innsbruck zur Kompensation der fehlenden Architekturfakultät im Bundesland beiträgt. Analog dem Tiroler Nachwuchs wird munter bewiesen, dass es auf dem Land auch ohne Satteldach geht. "Wir wollen Kulturarbeit leisten, indem wir zeitgenössische Architektur umsetzen", so Architekt Hendrick Innerhofer, der auch gleich das Rezept mitliefert, die Skepsis gegenüber zeitgemäßem Bauen zu zerstreuen: "Wir nehmen Bevölkerung, Baurat‑ und Bürgermeister mit ins Boot und zeigen ihnen die Unterschiede auf." Das mag einfacher klingen, als es ist. Und doch lassen sich jenseits der Salzach inzwischen eine Menge Alternativen zum Traditionalismus orten. (Christoph Warnke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

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