Die Feste feiern, wie sie fallen

12. Juni 2006, 16:18
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Architekturtage im virulenten Vorarlberg

"Schaffa, schaffa, Hüsle baua" – Architektur als Synonym zum Arbeitsfleiß. Und fleißig sind sie, die Vorarlberger. Das kleine Bundesland sendet weltweit Produkte und Fachwissen aus, setzt den Schwerpunkt gezielt auf Qualität und weiß vor allem auch, wie die Qualität in Szene zu setzen ist. Kompetenz in der Produktion, Strategie im Verkauf, Investition und Experiment sowohl im einen wie im anderen. Und Erfolg schafft Freiräume, fördert die Selbstständigkeit, motiviert den gesellschaftlich kommunikativen Auftritt und verlangt nach sozialer und kultureller Einbettung.

Exakt hier setzt das Vorarlberger Programm der Architekturtage an. Die Erfüllung des eigentlichen Pflichtprogramms der Architekturvermittlung, die regelmäßige öffentliche Präsenz und Besprechung von aktueller Architektur wurde schon vor Jahrzehnten mit Roland Gnaigers und Bruno Spagollas Sendeformat "Plus-Minus" im regionalen ORF eingeführt – inzwischen ist man im Ländle längst im Kürprogramm angelangt. Auch die Architekturtage haben die Anlauf- und Bewährungsphase überstanden. Für den dritten Auftritt im Juni 2006 sind Genuss, Feste und Ausfallschritte angesagt, Architekturen werden bespielt und interpretiert. Ein additives Konzept: Architektur & Kultur im Festkleidduett.

Exkursionsprogramm

Dabei werden gleich mehrere Versionen der Liaison ausgetestet: Wo gezielt ausgewählte Architektur angefahren wird, im Exkursionsprogramm "Szene in Architektur" (Samstag, 10. Juni), sind es Schweizer Alphornbläser, Theater, Performances, die das konkret Gebaute kultur-kulinarisch anreichern. Umgekehrt in der "Alten Naturschau", wo allein schon die Belagerung des leer stehenden Hauses mit all seinen Vitrinen und Schauräumen im Zusammentreffen mit einer Art "Architektur Messe" einen architektonischen Akt darstellt und die Veranstalter – das Vorarlberger Architektur Institut – sowohl inhaltlich als auch medial jegliche Programmfreiheit in die Selbstverantwortlichkeit bzw. Selbstdarstellungsstrategien der Architekten abgibt.

Ein virulentes Treiben in der Alten Naturschau wird versprochen, und sollte sich dieses in Begeisterung und Partystimmung verselbstständigen, läge es ganz im Sinne der Veranstalter. Daneben wird ein letzter Einblick in die Ausstellung zum Werk von Daniele Marques geboten (bis 10. Juni) und – im Kontext des Programms beinahe schon klassisch – stehen auch heuer wieder Architekturateliers für Gespräche und Kaffee offen. (Christine Bärnthaler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

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