Mehr als 41.000 rufen "SOS ORF"

26. Juli 2006, 12:21
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Grünen-Stiftungsrat: TV-Chefredakteur Mück soll pausieren - FP sucht Lindner- Alternative - VP begrüßt "ZiB"-Forderung

Der ORF beweist just mit www.sos-orf.at seine Breitenwirkung: Bevor die "ZiB"s Montagmittag und um 22 Uhr von der Initiative berichtet hatten, sammelte sie in einer Woche 25.000 Unterstützer. Kaum zwei Tage danach waren es schon mehr als 41.000.

TV-Chefredakteur Werner Mück verzichtete wohlweislich auf eine Meldung in der reichweitenstärksten "ZiB 1", als er das Schweigen des ORF zum Thema kurz aufhob.

"Massive Vorwürfe" prüfen

Grünen-Stiftungsrat Pius Strobl fordert wie bei ORF-Chefredakteur Walter Seledec (FPÖ): Eine Kommission soll "massive Vorwürfe" gegen Mück prüfen, er sei dafür vorerst seiner Funktion zu entheben. Generaldirektorin Monika Lindner nennt Strobls Forderung - nicht frei von Originalität - eine "unstatthafte Einflussnahme von außen".

Strobl zitiert Vorwürfe, Mück habe Mitarbeitern gedroht, ihre Karriere zu beenden, frauenfeindliche Äußerungen, "Verstöße gegen das Redakteursstatut". Stimmten sie, "ist unvorstellbar, dass Mück für eine weitere Führungsfunktion infrage kommt". Mück soll wie berichtet Info- oder TV-Direktor des ORF werden.

In einem Antwortmail an das Frauennetzwerk Medien, das dem STANDARD vorliegt, dementiert Mück die frauenfeindlichen Aussagen in der von "profil" zitierten Form.

Angriffe auf Generaldirektorin

Munter gingen Mittwoch auch die Angriffe auf Generaldirektorin Monika Lindner weiter. SPÖ-Stiftungsrat Karl Krammer sagte chilli.cc: "Frau Lindner ist offensichtlich zu schwach, um Werner Mück entsprechend zu führen." Nachsatz: "Auch Frau Lindner könnte die Dinge anders machen, wenn sie einen anderen zentralen Chefredakteur hätte."

"Alternativen zum Lindner-ORF"

BZÖ-Stiftungsrat Walter Meischberger will "Alternativen zum Lindner-ORF" suchen. So versucht er in News, den Druck auf Regierungspartner ÖVP zu erhöhen. Der enge Vertraute von Finanzminister Karl-Heinz Grasser wünscht sich "international auf Ballhöhe agierende Alternativen als Generaldirektor" des ORF. Oder darüber zumindest "nachzudenken".

Zuletzt in BZÖ-Kreisen genannt: der frühere ProSieben-Vorstand Michael Wölfle, der sich schon 2001 um den ORF-General beworben hat.

Wölfle ist Berater wie derzeit auch der frühere "Krone"-, RTL- und kurzzeitige Premiere-Manager Hans Mahr, der ebenfalls in News aufzeigt.

Und die ÖVP? Der Sprecher ihrer Stiftungsräte, Kurt Bergmann nennt das Forderungspaket der "ZiB"-Redakteure an die nächste ORF-Führung "grundvernünftig". Die Wünsche nach mehr Eigenverantwortung für Redakteure hatte zuvor sogar schon Chefredakteur Mück befürwortet. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 1.6.2006)

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