Chemische Industrie wuchs 2005 um 4,1 Prozent

19. Juni 2006, 14:16
posten

Die chemische Industrie Österreichs zieht eine "insgesamt zufrieden stellende Bilanz" über das Geschäftsjahr 2005

Wien - Die chemische Industrie Österreichs zieht eine "insgesamt zufrieden stellende Bilanz" über das Geschäftsjahr 2005. Der Produktionswert der heimischen chemischen Betriebe stieg um 4,1 Prozent 10,5 Mrd. Euro (9,903 Mrd. Euro).

Der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs Peter Untersperger sprach bei der Bilanzpressekonferenz am heutigen Mittwoch von einem "Jahr mit Licht und Schatten", das angesichts des schwierigen Marktumfelds positiv zu bewerten sei. Der Fachverband FCIO vertritt die Interessen von gut 300 Mitgliedsunternehmen in Österreich.

Nach einem Wachstum von fast acht Prozent im ersten Halbjahr sei das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte spürbar gesunken. Gründe dafür seien die deutlich gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise sowie der "schwierige Vergleich" mit dem zweiten Halbjahr 2004, das bereits von starkem Wachstum geprägt war.

In Österreich stagnierte der Chemie-Markt weiter, zum Wachstumstreiber entwickelten sich die Ausfuhren mit einem Plus von 11 Prozent. Vor allem das Geschäft mit Osteuropa habe sich weiter auf hohem Niveau präsentiert.

Schwerpunkt Pharmasektor

Schwerpunkt in Österreich war einmal mehr der Pharmasektor. Nach einem Tief im Jahr 2004 stieg der Produktionswert um 16,4 Prozent. Fasern und Kautschukwaren wuchsen um jeweils vier Prozent. Die Gesamtinvestitionen der chemischen Industrie stiegen mit 598 Mio. Euro um 11,5 Prozent.

Untersperger rechnet auch im laufenden Jahr mit ähnlichen Wachstumsraten wie 2005 - "sofern es zu keinen spürbaren Verschlechterungen der allgemeinen Marktlage und der Rohstoffkosten kommt". Eine gewisse "Aufbruchsstimmung" ortet er im Deutschland-Geschäft.

Als "Herausforderungen" für die Zukunft sieht der Fachverband bestehende gesetzliche Regelungen im Umweltbereich sowie im Sozial- und Arbeitsrecht, konkret hohe Arbeitskosten und "unflexible Arbeitszeitregelungen in den Kollektivverträgen" in Österreich. Das würden die relative Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Ab Juli sollen Arbeitsgruppen auf Sozialpartner-Ebene diese Themen behandeln.

Den Gewerkschaften wirft der Fachverband bei den jüngsten KV-Verhandlungen "Kurzsichtigkeit" vor. Denn die Differenz der heimischen Arbeitskosten mit solchen in Tschechien oder China werde noch größer werden, das sei "ein klarer Standortnachteil". Die Erhaltung und Schaffung heimischer Arbeitsplätze setze eine profitable Unternehmensführung voraus.

Die Gewerkschaft der Chemiearbeiter (GdC) spricht von "unverständlichen Vorwürfen" und Widersprüchen. Die Zahlen würden eine guten Einfluss der Lohnpolitik der vergangenen Jahre belegen. Steigende Energie- und Rohstoffkosten könnten nicht mit Lohneinbußen kompensiert werden, sagte GdC-Chef Wilhelm Beck. Die Chemische Industrie müsse auch gute Einkommen für die Leistungen der Arbeitnehmer erwirtschaften. Dass es den Unternehmern weiter "sehr gut" gehe, belegten kolportierte Manager-Gehälter, die sich laut Medienberichten um 150.000 Euro jährlich bewegten.

Mitte Mai hatten sich Arbeitgeber und -nehmer auf 2,8 Prozent höhere Mindest- und 2,6 Prozent höhere Ist-Löhne geeinigt. (APA)

Share if you care.