Bank rutschte unter Eigenmittellimit

13. Juni 2006, 11:05
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Die Verluste aus riskanten Swapgeschäften überstiegen nicht nur 2004, sondern auch 2005 die gesetzliche Eigenmittel-Grenze

Wien - Die Kärntner Hypo Alpe Adria Bank - die nach dem Rückzug der Wirtschaftsprüfer-Testate ihre Bilanzen für 2004 und 2005 neu schreiben musste - ist wegen der hohen Verluste aus Swapgeschäften nicht nur 2004, sondern auch im Jahr 2005 unter die gesetzlichen Eigenmittel-Grenzen gerutscht. Das sei aber eine "rückwirkende Betrachtung", meinte Bankchef Wolfgang Kulterer heute. Heuer, 2006, will er zu Jahresende bei 6,21 Prozent Kernkapital sein.

Weil in der neu zu fassenden Bilanz 2004 die Swap-Verluste vollständig verbucht werden mussten, und diese neue Bilanz somit einen Verlust von 99 Millionen Euro auswies, klafften Lücken zur gesetzlichen Kernkapitalquote von vier Prozent. Kulterer bleibt dabei, dass die Wirtschaftsprüfer auch eine Bilanzierungsvariante goutiert hätten, die für 2004 einen Gewinn von 68 Millionen Euro gebracht hätte. Doch die Finanzmarktaufsicht (FMA) habe abgelehnt, "und wir hatten zu akzeptieren, wir haben keine Zeit gehabt, da lange herumzudiskutieren".

Damit war, wie Kulterer am Mittwoch formulierte, "ein Unterschreiten der Eigenmittelsituation im Lauf des Jahres 2005 natürlich gegeben".

Im Detail sank die Kernkapitalquote (Tier-1) nach der Neubilanzierung 2004 auf 2,91 Prozent (in der ersten Bilanzfassung waren für 2004 noch 5,85 Prozent ausgewiesen worden). Auch im Jahr 2005 rangierte man zeitweise unter den gesetzlich vorgeschriebenen vier Prozent, um zu Jahresende wieder bei 5,29 Prozent zu liegen.

Kapitalerhöhung

Für heuer zum Jahresende sind nun 6,21 Prozent Tier-1-Ratio veranschlagt. Ohne die jetzt im Juni zu beschließende Kapitalerhöhung (die 250 Mio. Euro bringen soll) wären es heuer 5,5 Prozent gewesen. Zum Halbjahr wird es einen Zwischenbericht geben, in den ersten Monaten des laufenden Jahres werden auch satte Erträge von Auslandstöchtern erwartet.

Abflüsse von Kundengeldern hat es laut Kulterer in den schlagzeilenträchtigen Wochen seit Auffliegen der Swap-Verluste aus 2004 nicht gegeben. Und auch keine negativen Reaktionen vom Kapitalmarkt, wo die Bank mit milliardenschweren Bonds vertreten ist. Die Bondprogramme werden heuer aufgestockt. Vor wenigen Tagen habe man eine 30-Millionen-Nachrangkapitalanleihe begeben, zu den gleichen Konditionen wie ein Jahr zuvor.

Auffüllen der "Kriegskasse"

Kulterer spricht von der Eigenkapitalstärkung durch die jetzige Kapitalerhöhung als Auffüllen der "Kriegskasse". Wöchentlich mache man eine neue Filiale in Süd-Osteuropa auf. Und man will hier weiter expandieren. Großakquisitionen plane er aber nicht. "Das würde auch unsere historische Unternehmenskultur vergiften", vermutet er.

Nur 10,5 Prozent vom Gewinn (EGT) der Hypo-Alpe-Adria-Gruppe stammten 2005 aus Österreich. Das meiste Geld verdient die Bank in Kroatien (30,4 Prozent). Auch Italien ist eine gewinnbringende Region, mit 14,6 Prozent am Konzern-EGT. "Im Rückblick auf die vergangenen acht Wochen wäre es", so gab Kulterer heute zu, "verlockend gewesen, die Zentrale in das neue Gebäude nach Udine zu verlegen - und sich der italienischen Bankenaufsicht zu unterwerfen". Diese Frage würde sich, wenn einmal andere Eigentümer dazu kämen, durchaus stellen. Jetzt ist das realistischerweise aber kein Thema. Kulterer bemerkte nur, dass er mit der italienischen Bankenaufsicht noch nie Probleme gehabt habe. (APA)

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