Berührungslose Tastorientierung für Blinde

4. Juni 2006, 12:00
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Leipziger entwickelt Handsensorgerät, das die Umgebung seines Trägers abtastet und die Signale in abrufbare Informationen umsetzt

Leipzig - Mit Hilfe eines neuartigen Handsensorgeräts sollen Blinde zukünftig ihre Umwelt virtuell ertasten können. Wie der Entwickler des Geräts, der Leipziger Thomas Leberer, sagte, tastet ein 3-D-Sensor die Umgebung des Blinden bis zu einem Umkreis von drei Metern automatisch ab. Menschen und Gegenstände werden erfasst und die Informationen an Stifte im Handgriff des Gerätes übermittelt, wo sie der Blinde mit den Fingern ertastet.

Berührungsloses Ertasten

Leberers Kollege Axel Dickschat merkte dazu an: "Der Blindenstock hat den Nachteil, dass er zum Beispiel einen Baum zwar signalisiert, eventuell in Höhe des Gesichts des Blinden wachsende Äste aber natürlich nicht." Auch Mauervorsprünge in Höhe des Kopfes oder sich bewegende Hindernisse könnten die Betroffenen bisher nicht erkennen und seien so ständiger Unfallgefahr ausgesetzt.

Mit dem von Leberer in fünfjähriger Entwicklungszeit realisierten Gerät, dem er die Bezeichnung "feelix" gab, wird dieser Schwachpunkt nun überwunden. Der Blinde kann Hindernisse nicht nur als solche erkennen, sondern die Informationen über die Stifte wie in Blindenschrift ablesen. Dadurch ist es laut Dickschat möglich, zum Beispiel Umfang und Höhe von Gegenständen zu vermitteln. "Bisher mussten die Betroffenen zum Beispiel einen Tisch im Raum mit den Händen erforschen, jetzt wird berührungsloses Ertasten möglich", so Dickschat. Das Gerät könne sogar die Struktur der Oberfläche von Objekten erkennen.

Serienproduktion geplant

Leberer und Dickschat, die eigens das Unternehmen Scylab medic für Produktion und Vermarktung des Gerätes gegründet haben, wollen noch in diesem Jahr mit der Serienproduktion des Gerätes beginnen. Der Markt, in dem sie agieren wollen, könnte gigantisch sein: Weltweit gibt es rund 45 Millionen Blinde und etwa 135 Millionen Menschen mit einer Sehkraft von weniger als 20 Prozent, was per Definition eine starke Sehbehinderung ist. Leberer und Dickschat schätzen, dass ihr Gerät etwa 5.000 Euro kosten wird. (APA/AP)

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