Spanischer Dopingskandal erreicht Pedalisten-Prominenz

28. Juni 2006, 17:06
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Unter den Klienten der verdächtigten Mediziner Fuentes und Batres finden sich Namen wie Basso, Gutierrez oder Valverde

Madrid - Auch die Elite der Giro d'Italia 2006 soll neben weiterer Radsport-Prominenz in den spanischen Doping-Skandal verstrickt sein. Unter Berufung auf die spanische Zeitschrift "Interviu" nannte die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch in diesem Zusammenhang die Namen des Erstplatzierten Ivan Basso (ITA), des Zweiten Jose Gutierrez (ESP sowie den ProTour-Spitzenreiter Alejandro Valverde und die Kletterspezialisten Unai Osa (beide ESP) und Michele Scarponi (ITA).

Die genannten Profis sollen neben den bereits bekannten Santiago Botero (COL), Ignacio Vicioso und Oscar Sevilla (beide ESP) vom T-Mobile-Team angeblich Kontakt zu den von der spanischen Justiz verdächtigen Medizinern Eufemiano Fuentes und Merino Batres gehabt haben. In dokumentierten Telefonaten seien diese Namen gefallen.

T-Mobile, wo auch der Österreicher Bernhard Kohl unter Vertrag steht, verlangt von seinen 29 Profis daraufhin eine schriftliche Erklärung, keinen Kontakt zu Fuentes und Co. unterhalten zu haben. Tour-Kandidat Sevilla hatte erklärt, bei dem umstrittenen Mediziner lediglich Leistungstests gefahren zu sein.

Spanische Zeitungen berichteten, vor der Praxis des Fuentes-Kompagnon Batres in Madrid seien öfter Radprofis mit ihren Rennmaschinen (ohne Vorderrad) erschienen, um offensichtlich die Wirkung der illegalen Bluttransfusionen in Ergometer-Tests zu messen. "Oscar räumte ein, dass es durchaus möglich sei, dass er auf Filmaufnahmen zu sehen ist. Der Arzt, mit dem er zusammen arbeitet, hat eine Praxis im selben Gebäude wie Fuentes", meinte Manager Olaf Ludwig zu den Anschuldigungen.

Das Team Phonak, für das der ebenso verdächtige Botero fährt, stellt ebenfalls Nachforschungen in den eigenen Reihen an. Die Schweizer Mannschaft war in der Vergangenheit durch die Doping-Fälle des Olympiasiegers Tyler Hamilton (USA) und des Ex-Weltmeisters Oscar Camenzind (SUI) aufgefallen.

Im Gegensatz zum nationalen Konkurrenten T-Mobile hält der Profi-Rennstall Gerolsteiner im Moment nichts von Recherchen im eigenen Team zu den Vorfällen in Spanien. "Zur Zeit sehe ich keine Veranlassung, von den Fahrern eine Erklärung zu verklangen, nicht mit Fuentes zusammengearbeitet zu haben. Es gibt bei uns keine Anzeichen dafür. Falls sich neue Erkenntnisse ergeben, würden wir natürlich handeln. Außerdem verweise ich auf entsprechende Klauseln in den Verträgen. Doping hat die fristlose Entlassung zur Folge", sagte am Mittwoch Manager Hans-Michael Holczer. Bei Gerolsteiner radeln mit Rene Haselbacher, Peter Wrolich und Georg Totschnig gleich drei Profis aus Österreich.

Basso selbst sieht sich als Opfer einer Intrige. "Ich habe viel gelitten, um dorthin zu gelangen, wo ich jetzt stehe. Aber in diesem Sport wird es immer jemanden geben, der einen Schatten auf die wirft, die oben stehen. Daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen", zitierte die französische Sportzeitung "L'Equipe" den frisch gekürten Giro-Gewinner. Dessen Namen tauchte zusammen mit dem Jan Ullrichs gleich bei Bekanntwerden der Affäre in der vergangenen Woche auf. Basso und sein Teamchef Bjarne Riis hatten ebenso wie Ullrich prompt alle Anschuldigungen von sich gewiesen.

In der Doping-Affäre wird zur Zeit gegen fünf Personen, darunter Fuentes, Batres und den Manager des Teams Liberty Seguros, Manolo Saiz, ermittelt. Nach Zahlung von Kautionen sind alle auf freiem Fuß. Ihnen wird zur Last gelegt, einen illegalen Handel mit manipuliertem Blut und Doping-Mitteln betrieben zu haben, beziehungsweise im Fall Saiz als Kunde aufgetreten zu sein.

Für Liberty - der amerikanische Sponsor hat sich inzwischen zurückgezogen - fährt auch der Kasache Alexander Winokurow, der als einer der großen Favoriten für die kommende Tour de France gilt. Bei der am (heutigen) Mittwoch begonnenen Rundfahrt Euzkal Bizikleta im spanischen Baskenland tritt das Team in weißen Trikots ohne Sponsor-Beschriftung auf. (APA/dpa)

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