Kulterer: "Jeder ist ersetzbar"

13. Juni 2006, 11:05
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Sollte der Vorstandschef der von einer Bilanzaffäre gebeutelten Bank abtreten müssen, wäre dies kein Grund, den geplanten Börsegang abzublasen

Wien - Mittwochfrüh ist der Bericht der Prüfer der von Swap-Verlusten und einer darauf folgenden Bilanzaffäre gebeutelten Kärntner Hypo Alpe Adria Bank dem Institut ausgehändigt worden. Hypo-Vorstandschef Wolfgang Kulterer wird dazu bis 20. Juni Stellung nehmen. Dann ist wieder die Finanzmarktaufsicht am Zug. Als eine mögliche Konsequenz droht Kulterer, wie berichtet, ein Geschäftsleiter-Enthebungsverfahren. Für den Bank-Chef persönlich wäre sein Abgang jedenfalls kein Grund, die für Herbst anberaumte Kapitalerhöhung und den in zwei Jahren geplanten Börsegang abzusagen.

Ob Kulterer einen Bescheid der Finanzmarktaufsicht, in dem ihm die Behörde das Vertrauen entzieht, beeinspruchen würde, ließ er am Mittwoch offen: "Das kann ich heute noch nicht sagen, weil ich die Argumente nicht kenne".

Ob eine Geschäftsleiterenthebung Konsequenzen hätte für die mit internationalen Road Shows verbundene bevorstehende Jung-Aktienemission und in der Folge für den nun ab Herbst 2007 bis Juni 2008 geplanten Börsegang der Hypo Alpe Adria Bank International AG? "Das Management der Bank besteht ja nicht aus mir allein", meinte Kulterer heute. "Es kann ja nicht eine Kapitalerhöhung oder ein Börsegang abgesagt werden, weil ein Manager ausfällt".

Gelassenheit

Er, Kulterer, sei beruflich sehr oft und viel unterwegs unterwegs, betreibe gefährliche Sportarten. "Ich kann auch mit dem Flugzeug abstürzen. Ich bin genauso ersetzbar wie jeder andere", zeigt sich der Hypo-Chef nach außen gelassen.

Er könne freilich nicht so tun, als ob nichts geschehen sei. Aber es sei alles abzuwarten, was die Behörden entschieden, ob Verfahren beendet oder exekutiert würden. Bis Herbst jedenfalls - wenn die Kapitalerhöhung durchgezogen werden soll - werde Klarheit herrschen.

"Klarheit" auf allen Ebenen - also was Bilanzzahlen, Management und Zukunftsaussichten betrifft, verlangt auch der Kapitalmarkt. Das stellte Heinrich Pecina, Gründer der Venture-Capitalgesellschaft VCP und jetzt Partner von HSBC bei den anstehenden Kapitalmarkttransaktionen der Hypo, heute in dem Pressegespräch mit Kulterer fest. Und weiter: "Kunde bei so einer Transaktion ist die Bank".

Änderungen im Zeitplan

Ansonsten streute er der Hypo Alpe Adria ob ihrer massiven Expansion und Strategie der letzten Jahre Rosen. Wie für Kulterer, so gibt es auch aus Sicht von Pecina überhaupt keinen Grund, vom Börseplan abzugehen. Der Börsegang werde in den nächsten zwei Jahren erfolgen, so der VCP-Mann.

Kulterer räumte ein, dass sich die "Zeitschiene" etwas verzögert habe. Habe man anfangs erwartet, im Frühjahr 2007 an die Börse zu kommen, so seien bis dahin jetzt noch "Hausaufgaben" zu machen. (APA)

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