Das Gute liegt so nah

1. Juni 2006, 00:01
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Trotz der Korrekturen an den Börsen rechnen die Manager von Fonds, die sich auf die Veranlagung in österreichische Aktien konzentrieren, langfristig mit intakten Chancen

Börsen sind stimmungsabhängig. Das hat die jüngste Vergangenheit wieder einmal gezeigt. Leichte Unsicherheiten über die Wirtschaftslage in den USA haben genügt, um die Kurse zunächst zum Absturz zu bringen. Dem Sog konnte sich auch die Wiener Börse nicht entziehen. Am Montagabend vor einer Woche hatte sie an ihrem Jahrestief geschlossen. Die weitgehende Abhängigkeit von ausländischen Anlegergeldern, das hohe relative Gewicht einiger weniger großer Konzerne, Zweifel an der Osteuropastory seien die Hauptgründe dafür, dass Wien stärker als andere Börseplätze unter den Kursrückgängen der vergangenen Tage zu leiden gehabt habe, sagte der Vorstand der Kontrollbank (OeKB), Johannes Attems.

Bis zum Wochenende allerdings waren die Verluste dann fast wieder aufgeholt. Die Analyse-Abteilungen der großen Banken rechnen damit, dass sich die Anleger auch in der nächsten Zeit auf starke Auf- und Abwärtsbewegungen einstellen müssen. Wie sich das erwartete "Auf und Ab" auf Österreich-Aktienfonds auswirken könnte, erfragte derStandard.at bei den zuständigen Managern. Die gut ein Dutzend Fonds, die sich auf die Veranlagung in österreichische Aktien konzentrieren, erwiesen sich in den vergangenen Jahren dank der boomenden Wiener Börse als gutes Investment. Wie wird es weitergehen, gibt es Grund sich Sorgen zu machen?

Kein Grund zur Beunruhigung

Nein, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer von 3 Banken-Generali. Anlass zur Beunruhigung, nachdem die Börsen weltweit zum Teil recht auffällig unter Druck geraten waren, gäbe es nicht: „Sehr wohl muss man aber jede Situation ernsthaft und tiefgründig analysieren. Rein fundamental mache ich mir um Österreich-Aktien weiterhin keine Sorgen. Die Relationen Bewertung-Marktstellung-Unternehmensgewinne passen nach wie vor - dementsprechend rate ich auch allen, investiert zu bleiben“, lautet sein Rat. Der von ihm gemanagte 3 Banken Österreich-Fonds ist ein Aktienfonds, der nur in österreichische Unternehmen investiert. Die überwiegende Mehrheit der Aktien notiert an der Wiener Börse. Aktien österreichischer Unternehmen, die an einer ausländischen Börse notieren, können jedoch auch erworben werden.

Die Aktienauswahl ist nicht indexorientiert - der Fonds beinhaltet vielmehr ein komprimiertes Portfolio an attraktiven österreichischen börsenotierten Gesellschaften, wobei bei jeder Investition der Langfristgedanke im Vordergrund steht: „Der Fonds verfolgt einen klaren Stock-Picking-Ansatz, d.h. nicht die Gewichtungen im ATX sondern die fundamentale Einschätzung des Unternehmens ist mir wichtig“, betont Wögerbauer: „Dadurch kommt es im Vergleich zum ATX oft zu wesentlichen Gewichtungsunterschieden.“ 2003 und 2005 hatte Wögerbauer mit dem 3 Banken Österreich-Fonds und einer Ein-Jahres-Performance von rund 61 Prozent bzw. 44 Prozent die Nase vorn.

Optimistisch für das Gesamtjahr

2004 errang Manfred Zourek, der den Espa Stock Vienna betreut, ein Plus von ca. 63 Prozent. Den ältesten Austro-Fonds gibt es seit fast 20 Jahren, 2004 erklomm er den obersten Stockerlplatz. 2005 zeigte Zourek sich von der guten Entwicklung der Wiener Börse überrascht. Wie sieht es jetzt aus? „Wir sind für das Gesamtjahr 2006 optimistisch. Dass wir wieder Zuwächse von 50 Prozent und mehr sehen werden, ist aber eher nicht zu erwarten“, sagt der Fondsmanager und beruhigt: „Die aktuelle Korrektur an der Wiener Börse ändert nichts an unserer Einschätzung. Wir rechnen allerdings weiterhin mit höherer Volatilität.“

Seit Jahresbeginn hat sich der Fonds im Einklang mit dem Gesamtmarkt entwickelt. Wie jeder, der sich mit Fonds beschäftigt, weiß, ist ein solcher erfolgreich, wenn er die Entwicklung des Marktes übertreffen kann - „und zwar beständig und nicht nur über einen Zeitraum von einem oder mehreren Monaten“ sagt Zourek. Erfolg misst sich nicht in Monats- oder Wochenrankings, sondern in Zeiträumen von mehreren Jahren, lautet sein Credo. „Aktives Management beinhaltet immer auch Phasen kurzfristiger Underperformance zugunsten langfristiger Outperformance“, beruhigt er. Wie sind die Zukunftsperspektiven angesichts des zuletzt doch relativ stark gesunkenen ATX? Zourek: „Meiner Meinung nach hat die Korrektur an den positiven Aussichten für die Wiener Börse nichts geändert. Im Gegenteil. Tiefere Kurse machen österreichische Aktien noch interessanter!“

Korrektur nicht unerwartet

Der Capital Invest Austria Stock ist mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro der größte unter den in Österreich-Aktien investierenden Fonds. Auch er schaffte es immer wieder ins Spitzenfeld. Veranlagungsschwerpunkte sind bei diesem Fonds einerseits die marktbreiten Blue Chips mit hoher Indexgewichtung. Andererseits konzentriert sich der Fonds auf Nebenwerte, die sich durch eine besonders günstige Bewertung und/oder überdurchschnittliche Wachstumsaussichten auszeichnen.

Die Korrektur kam für Fondsmanager Friedrich Erhart nicht unerwartet: „Das Ausmaß war - unter anderem in Wien - aber doch heftiger als erwartet.“ An der langfristig positiven Einschätzung ändert sie nichts: „Die Fundamentaldaten haben sich jedenfalls nicht verschlechtert. Für uns ist der Ausblick an den Aktienmärkten generell weiterhin ok. Risikofaktoren sind für Erhart derzeit vor allem der Zinsanhebungszyklus in den USA und die damit möglicherweise einhergehende Abschwächung der US-Konjunktur sowie geopolitische Risiken. „Als Spezifikum der Wiener Börse kommt noch dazu, dass sie stark abhängig ist von der Entwicklung einiger weniger großer Blue Chips“, bestätigt er die Einschätzung mancher Experten. (Regina Bruckner)

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    Die Korrektur an den Börsen kam nicht unerwartet. Das Ausmaß - besonders an der Wiener Börse - hat manch einen überrascht.

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