AUA-Erhalt für RZB-Chef "nationale Aufgabe"

12. Juni 2006, 11:48
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Rothensteiner: "Nötigenfalls Geldspritze" à la Alitalia - Ex-Aufsichtsrat für Privatisierung der AUA - Wirtschaft braucht Airline "wie Bissen Brot"

Wien - Der Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, hält die Erhaltung der angeschlagenen Fluglinie Austrian Airlines (AUA) für eine "nationale Aufgabe". Zugleich spricht sich der RZB-Chef aber für die Privatisierung der AUA aus. "Die österreichische Airline zu erhalten sehe ich als nationale Aufgabe, egal was passiert", wird Rothensteiner im Interview mit dem Wochenmagazin "News" zitiert. Schlimmstenfalls sei auch eine staatliche Geldspritze erforderlich.

Rothensteiner, bis vor kurzem Aufsichtsrat der Austrian Airlines-Gruppe, spricht sich für eine Privatisierung der AUA aus, an der die staatliche ÖIAG noch rund 40 Prozent hält: "Das ist auf Dauer keine Lösung, die der positiven Entwicklung des Unternehmens förderlich ist". Die bisherige Auffassung, wonach der Staat an einer nationalen Airline maßgeblich beteiligt sein müsse, hält der RZB-Chef wegen internationaler Allianzen und EU-Verkehrsrechten für überholt.

Beispiel Italien

Die Erhaltung einer "rot-weiß-roten Heckflosse der AUA" sei vordringlich, so Rothensteiner, der ein "gesamtösterreichisches Bemühen" zum Wohlergehen der AUA einfordert. Die heimische Wirtschaft brauche die AUA mit ihrem Netzwerk "wie einen Bissen Brot". Bisher habe die Republik die AUA "nicht gerade wie ihr liebstes Kind behandelt", kritisiert Rothensteiner.

Österreich solle sich - "wenn es notwendig ist" - ein Beispiel an Italien nehmen, wo der Staat die nationale Alitalia durch Geldspritzen vor dem Konkurs gerettet hat, so der RZB-Chef. So schlimm sei die Situation bei der AUA aber nicht: "Davon kann aber bei der AUA keine Rede sein", so Rothensteiner.

Keine Alternative ist für den RZB-Boss der Einstieg der deutschen Lufthansa, der vom früheren AUA-Chef Vagn Sørensen ins Spiel gebracht worden war. Denn die Lufthansa verfüge in München und Zürich über zwei Flughäfen, die noch größere freie Kapazitäten haben. "Da hätte ich Sorge, dass gerade Flüge nach Osteuropa, die für Wien als Headoffice-Zentrum vieler Konzerne so wichtig sind, abgezogen werden", so Rothensteiner. (APA)

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