Auch ohne Verbund Richtung "integrierter Energiekonzern"

19. Juni 2006, 15:35
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Ruttenstorfer: Allianz mit Verbund "hat sich erledigt" - Rückkehr zu 51-prozentiger Staatsmehrheit undenkbar

Wien - Die OMV will auch ohne Fusion mit dem Verbund weiter in Richtung integrierter Energiekonzern gehen, Gaskraftwerke bauen und schließt auch einen Einstieg in die Wasserkraft nicht aus. "Mit dem Verbund-Merger hätten wir einen Abkürzer genommen", sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer am Mittwoch bei einem Auftritt vor der "Österreichischen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management" (ÖVFA). Die OMV werde künftig nicht nur neue eigene Gaskraftwerke bauen wie demnächst in Rumänien, sondern sich auch stärker bei Themen "Biofuels", Biogas und Absonderung und Lagerung von Kohlendioxid engagieren.

Die OMV wolle ein integrierter Energiekonzern werden, der auf allen Wertschöpfungsstufen präsent sei, dies sei eines von drei übergeordneten strategischen Zielen, sagte Ruttenstorfer.

Wenig Realitätsgehalt

Der fortgesetzten politischen Diskussion um den Merger räumt er wenig Realitätsgehalt ein. "Es war klar, dass die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen. Das ist nicht der Fall. Damit hat sich das Problem für uns erledigt." "Alles was unsere Aktionärsstruktur mit zwei Großaktionären oder einen free float von mehr als 50 Prozent in Frage stellt, ist für uns ein 'No Go'", erklärte Ruttenstorfer. Dies sei auch in der Diskussion rund um die Fusionspläne mit dem Verbund erkennbar gewesen. Die OMV brauche einerseits "das Kapitalmarktexposure und die Stabilität von zwei Großaktionären".

Ruttenstorfer bezeichnete die Rolle des Großaktionärs IPIC (Abu Dhabi) als wesentlich für die Entwicklung der OMV. Abu Dhabi habe sowohl das cost cutting in den Neunzigerjahren als auch in Expansionsphase der vergangenen Jahre uneingeschränkt unterstützt. Spekulationen, wonach die Gazprom nach Auslaufen der Syndikatsvertrags ÖIAG-IPIC als Aktionär bei der OMV einsteigen könnte, hätten "absolut null" Realitätsgehalt, sagte der OMV-Chef am Rande der Veranstaltung. Der russische Energieriese wolle zwar in den Westen expandieren, habe dabei aber anders positionierte Unternehmen als die OMV im Auge.

Bekräftigung der Unternehmensziele

Ruttenstorfer bekräftigte vor den Finanzanalysten die schon vor den Verbundplänen bekannt gegebenen strategischen und finanziellen Unternehmensziele für 2010. Mittelfristig rechnet die OMV mit einem Rohölpreis von "30, 40, 50 Dollar" pro Fass. Der hohe Ölpreis mache sich bereits in rückläufigen Verbrauchszuwächsen bemerkbar, in einigen Jahren würden zusätzliche Förderkapazitäten auf den Markt kommen, meinte er. Voraussetzung für ein solches Szenario sei freilich, dass "politisch nichts Gravierenderes passiert". (APA)

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    "Mit dem Verbund-Merger hätten wir einen Abkürzer genommen", sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer.

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