Bachmann-Preis heuer mit nur zwei österreichischen Autoren

8. Juni 2006, 20:23
5 Postings

Bodo Hell und Hanno Millesi unter den elf Männer und sieben Frauen im Wettlesen vom 21. bis 25. Juni

Wien - 15 deutsche, zwei österreichische Autorinnen und Autoren sowie ein Schweizer Schriftsteller - das ist die Länderstatistik zu den am Mittwoch bekannt gegebenen Kandidaten, die sich zwischen 21. und 25. Juni bei den 30. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt mit ihren Texten dem Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis stellen. Mit sieben weiblichen und elf männlichen Teilnehmern sind die Frauen heuer deutlich weniger präsent. Am 21. Juni eröffnet Raoul Schrott die Veranstaltung im ORF-Theater mit der Klagenfurter Rede zur Literatur. Am 25. Juni, dem 80. Geburtstag Ingeborg Bachmanns, wird der Preis zum 30. Mail vergeben.

Einige Absagen

Als einziger renommierter Autor nimmt der 1943 in Salzburg geborene Bodo Hell teil, neben Hanno Millesi ist er einer von nur zwei österreichischen Schriftstellern, die im heurigen Jubiläums-Jahr um den begehrten Preis antreten. "Ich habe einige bekannte Autoren gefragt, ob sie sich nicht bewerben wollen", sagte Jurorin Daniela Strigl. "Aber sie haben alle Nein gesagt."

Zur hohen Quote der deutschen Teilnehmer komme es laut Strigl nicht nur durch die Überzahl deutscher Autoren, sondern auch durch die Jurymitglieder: "Da nur zwei von neun Juroren aus Österreich kommen und die meisten bei uns beiden einreichen, kommt dieses Ergebnis wahrscheinlich zu Stande." Der 1966 geborene Hanno Millesi ist "froh, dabei zu sein. Weil es der meist beachtete Preis ist." Auf einen Sieg wagt er nicht zu hoffen, es sei bereits glücklich, dabei zu sein.

Die Teilnehmenden

Aus Deutschland kommen Sigrid Behrens, Paul Brodowsky, Katja Huber, Claudia Klischat, Thomas Melle, Andreas Merkel, Clemens Meyer, die in Zürich lebende Annette Mingels, Angelika Overrath, Kathrin Passig, Dirk von Petersdorff, Norbert Scheuer, Ina Strelow, der auch in Wien lebende Kevin Vennemann sowie Kai Weyand. Aus der Schweiz nimmt der in Deutschland lebende Silvio Huonder teil.

Die 18 bewerben sich um fünf Auszeichnungen - den Ingeborg-Bachmann-Preis der Landeshauptstadt Klagenfurt (25.000 Euro), den Telekom Austria Preis (10.000 Euro), den 3sat-Preis (7.500 Euro), den Ernst-Willner-Preis (7.000 Euro) und den Kelag-Publikumspreis (5.000 Euro).

Der Hauptpreis wurde heuer um 2.500 Euro aufgestockt. Während der Klagenfurter Literaturkurs sein Zehn-Jahre-Jubiläum feiert, wird heuer auch erstmals das Stipendium des Landes Kärnten vergeben: Jeder Teilnehmer des Literaturkurses erhält 1.000 Euro. Der Kärntner ORF-Landesdirektor Willy Mitsche hoffte bei der heutigen Pressekonferenz auf "ein Leuchtfeuer der deutschsprachigen Literatur, das der ORF in die Haushalte tragen wird."

Die Jury

Vorab war schon eine Änderung in der Jury bekannt - anstelle von Norbert Miller, der aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, tritt der Literaturexperte Karl Corino. Vorsitzende ist wieder die deutsche Literaturkritikerin Iris Radisch ("Die Zeit"), weitere Mitglieder sind Klaus Nüchtern, Martin Ebel, Heinrich Detering, Daniela Strigl, Ilma Rakusa, Ursula März und Burkhard Spinnen.

Die Lesungen und Diskussionen werden wieder auf 3sat übertragen (22. und 23. Juni, jeweils 8.55 - 13.00 Uhr und 15.00 - 18.00 Uhr; 24. Juni von 8.55 - 13.00 Uhr), die Preisverleihung wird am 25. Juni ab 11.00 Uhr gesendet. Auf der Website des ORF Kärnten kann das Geschehen ebenfalls live verfolgt werden.

Rahmenprogramm

Anlässlich des 80. Geburtstages Ingeborg Bachmanns wurde auch das Rahmenprogramm aufgestockt. Neben den österreichischen Staatspreisen für literarische Übersetzungen an Elisabeth Edl und den estnischen Übersetzer Mati Sirkel veranstaltet das Robert Musil-Institut die "Reden über Ingeborg Bachmann". Hier wird schon am Samstag, 17. Juni im Musil-Haus Terezia Mora über "Die Masken der Autorin" sprechen. Ebenfalls am 17. Juni liest Erika Pluhar Ingeborg Bachmanns "Das dreißigste Jahr" vom Klagenfurter Stadtpfarrturm, Gert Jonke und Martina Wadl treten am 22. Juni im Arcotel Moser Verdino auf. Weiters gibt es ein Theaterstück von Robert Riedl sowie einen Abend zu Ehren von Ingeborg Bachmann mit Text und Musik.

Das Bühnenbild für das Wettlesen im ORF-Theater stammt schon zum 20. Mal von Kärntner Künstler Heinz Peter Maya, heuer steht es unter dem Motto "Der Fall Franza" von Bachmanns Beschreibung ihrer Ägypten-Reise. Anlässlich dieser Dichte an hochkarätiger Literatur freut sich Willy Mitsche auf die "Champions-League der deutsprachigen Literatur". (APA)

Share if you care.