Bodo Hell und Hanno Millesi unter den elf Männer und sieben Frauen im Wettlesen vom 21. bis 25. Juni
Wien - 15 deutsche, zwei österreichische Autorinnen und
Autoren sowie ein Schweizer Schriftsteller - das ist die
Länderstatistik zu den am Mittwoch bekannt gegebenen Kandidaten,
die sich zwischen 21. und 25. Juni bei den 30. Tagen der
deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt mit ihren Texten dem
Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis stellen. Mit sieben
weiblichen und elf männlichen Teilnehmern sind die Frauen heuer
deutlich weniger präsent. Am 21. Juni eröffnet Raoul Schrott die
Veranstaltung im ORF-Theater mit der Klagenfurter Rede zur Literatur.
Am 25. Juni, dem 80. Geburtstag Ingeborg Bachmanns, wird der Preis
zum 30. Mail vergeben.
Einige Absagen
Als einziger renommierter Autor nimmt der 1943 in Salzburg
geborene Bodo Hell teil, neben Hanno Millesi ist er einer von nur
zwei österreichischen Schriftstellern, die im heurigen Jubiläums-Jahr
um den begehrten Preis antreten. "Ich habe einige bekannte Autoren
gefragt, ob sie sich nicht bewerben wollen", sagte Jurorin Daniela
Strigl. "Aber sie haben alle Nein gesagt."
Zur hohen Quote der deutschen Teilnehmer komme es laut Strigl nicht
nur durch die Überzahl deutscher Autoren, sondern auch durch die
Jurymitglieder: "Da nur zwei von neun Juroren aus Österreich kommen
und die meisten bei uns beiden einreichen, kommt dieses Ergebnis
wahrscheinlich zu Stande." Der 1966 geborene Hanno Millesi ist "froh,
dabei zu sein. Weil es der meist beachtete Preis ist." Auf einen Sieg
wagt er nicht zu hoffen, es sei bereits glücklich, dabei zu sein.
Die Teilnehmenden
Aus Deutschland kommen Sigrid Behrens, Paul Brodowsky, Katja
Huber, Claudia Klischat, Thomas Melle, Andreas Merkel, Clemens Meyer,
die in Zürich lebende Annette Mingels, Angelika Overrath, Kathrin
Passig, Dirk von Petersdorff, Norbert Scheuer, Ina Strelow, der auch
in Wien lebende Kevin Vennemann sowie Kai Weyand. Aus der Schweiz
nimmt der in Deutschland lebende Silvio Huonder teil.
Die 18 bewerben sich um fünf Auszeichnungen - den
Ingeborg-Bachmann-Preis der Landeshauptstadt Klagenfurt (25.000
Euro), den Telekom Austria Preis (10.000 Euro), den 3sat-Preis (7.500
Euro), den Ernst-Willner-Preis (7.000 Euro) und den
Kelag-Publikumspreis (5.000 Euro).
Der Hauptpreis wurde heuer um
2.500 Euro aufgestockt. Während der Klagenfurter Literaturkurs sein
Zehn-Jahre-Jubiläum feiert, wird heuer auch erstmals das Stipendium
des Landes Kärnten vergeben: Jeder Teilnehmer des Literaturkurses
erhält 1.000 Euro. Der Kärntner
ORF-Landesdirektor Willy Mitsche hoffte bei der heutigen
Pressekonferenz auf "ein Leuchtfeuer der deutschsprachigen Literatur,
das der ORF in die Haushalte tragen wird."
Die Jury
Vorab war schon eine Änderung in der Jury bekannt - anstelle von
Norbert Miller, der aus gesundheitlichen Gründen absagen musste,
tritt der Literaturexperte Karl Corino. Vorsitzende ist wieder die
deutsche Literaturkritikerin Iris Radisch ("Die Zeit"), weitere
Mitglieder sind Klaus Nüchtern, Martin Ebel, Heinrich Detering,
Daniela Strigl, Ilma Rakusa, Ursula März und Burkhard Spinnen.
Die
Lesungen und Diskussionen werden wieder auf 3sat übertragen (22. und
23. Juni, jeweils 8.55 - 13.00 Uhr und 15.00 - 18.00 Uhr; 24. Juni
von 8.55 - 13.00 Uhr), die Preisverleihung wird am 25. Juni ab 11.00
Uhr gesendet. Auf der Website des ORF Kärnten kann das Geschehen
ebenfalls live verfolgt werden.
Rahmenprogramm
Anlässlich des 80. Geburtstages Ingeborg Bachmanns wurde auch das
Rahmenprogramm aufgestockt. Neben den österreichischen Staatspreisen
für literarische Übersetzungen an Elisabeth Edl und den estnischen
Übersetzer Mati Sirkel veranstaltet das Robert Musil-Institut die
"Reden über Ingeborg Bachmann". Hier wird schon am Samstag, 17. Juni
im Musil-Haus Terezia Mora über "Die Masken der Autorin" sprechen.
Ebenfalls am 17. Juni liest Erika Pluhar Ingeborg Bachmanns "Das
dreißigste Jahr" vom Klagenfurter Stadtpfarrturm, Gert Jonke und
Martina Wadl treten am 22. Juni im Arcotel Moser Verdino auf. Weiters
gibt es ein Theaterstück von Robert Riedl sowie einen Abend zu Ehren
von Ingeborg Bachmann mit Text und Musik.
Das Bühnenbild für das Wettlesen im ORF-Theater stammt schon zum
20. Mal von Kärntner Künstler Heinz Peter Maya, heuer steht es unter
dem Motto "Der Fall Franza" von Bachmanns Beschreibung ihrer
Ägypten-Reise. Anlässlich dieser Dichte an hochkarätiger Literatur
freut sich Willy Mitsche auf die "Champions-League der deutsprachigen
Literatur". (APA)