Daniel Düsentrieb ist Oberösterreicher

6. Juni 2006, 19:34
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Im Land ob der Enns wurden vergangenes Jahr 763 Patente angemeldet - Durchblick durch Förderstrukturen für Forschung fehlt

Im Land ob der Enns wurden vergangenes Jahr 763 Patente angemeldet - mehr als in anderen Bundesländern. Einige Industrieunternehmen sind an der Forschung interessiert. Was ihnen aber fehlt, ist der Durchblick durch sehr komplexe Förderstrukturen.

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Oberösterreicher sind fleißige Erfinder. Zumindest die Vorjahrszahlen des österreichischen Patentamtes zeugen von einem Rekord an Einfallsreichtum im Land ob der Enns. Mit 763 angemeldeten Patenten liegt Oberösterreich im Bundesländervergleich an der Spitze. Verantwortlich für die hohe Zahl der Anträge sind sowohl Klein- und Mittelbetriebe (KMU) als auch Industrieriesen wie etwa die Voest. Der Stahlriese führt mit insgesamt 33 Anträgen die Patentliste im Bundesländervergleich an. Oberösterreich scheint also ein guter Boden für Forschung und Entwicklung zu sein.

"Allein von der geografischen Nähe zu Deutschland, aber auch zu Tschechien ist Oberösterreich als Unternehmens- und Forschungsstandort sehr attraktiv", erklärt Bruno Krainz, Vorstandsdirektor der MAN Steyr AG. "Oberösterreich ist generell mit seiner Industrie sehr tief verwurzelt." Speziell Jungunternehmern werde hier ein guter Boden für einen Start ins Wirtschaftsleben geboten, so Krainz. Den Grund für diese optimalen Voraussetzungen sieht der MAN-Vorstand unter anderem im Landesbudget. "Oberösterreich ist in der glücklichen Situation, ausgeglichen zu bilanzieren. Gelder wandern somit vor allem in den Fördertopf und können so direkt für den Auf- und Ausbau von Unternehmensstrukturen verwendet werden", ist Krainz überzeugt.

Ein Manko ortet der Chef von rund 3000 Mitarbeiter in Steyr im "administrativen Bereich". Dies sei aber kein Oberösterreich-Spezifikum, sondern ein generell österreichisches: "Verfahren dauern noch viel zu lang, Behördengänge arten oft zu einem bürokratischen Hindernislauf aus - dies ist für Unternehmen mitunter schwierig", sagt Kainz.

"Der Vorteil ist, dass in Oberösterreich sehr viele Industrieunternehmen angesiedelt sind, die vor allem an einem technologischen Fortschritt und an Forschung sehr stark interessiert sind. Davon profitieren wir ganz massiv", freut sich Peter Berner, Manager vom Softwarepark Hagenberg.

Angesiedelt sind heute am Gelände des Softwareparks neben der Fachhochschule insgesamt 35 Firmen und acht Forschungseinrichtungen. "Der Erfolgsfaktor in Oberösterreich ist die Kooperation. Die Möglichkeit einer so engen Vernetzung zwischen Firmen, Forschungs- und Ausbildungsstätten ist österreichweit wahrscheinlich einzigartig", glaubt Berner.

Förder-Hemmschuh

Schwierigkeiten ortet der Softwarepark-Manager im Bereich der Förderungen: "Dieser Bereich ändert sich oft sehr rasch. Speziell für kleinere Betriebe ist es daher meist schwer nachzuvollziehen, auf welche Unterstützungen sie eigentlich einen Anspruch hätten." Dies sei im Moment sicher noch "ein gewisser Hemmschuh", Unternehmen würden sich so oft nicht über Forschungsprojekte "drübertrauen", so Berner.

Hilfreich seien hier vor allem die mittlerweile zwanzig Technologiezentren mit über 600 Firmen in Oberösterreich. Diese versuchen, speziell KMUs Forschungskooperationen schmackhaft zu machen. "In Hagenberg ist das völlig normal, dass ein Großteil der Projekte von Firmen und Forschungseinrichtungen abgewickelt wird", erläutert Berner. In Hagenberg arbeitete man derzeit gemeinsam mit zwei Firmen an einer speziellen Handysoftware für Tochterunternehmen des deutschen Software-Riesen Infineon.

Oberösterreich als "führende Region in Europa zu positionieren" ist das Ziel der Technologie- und Marketinggesellschaft (TMG). Hilfreich auf diesem Weg soll vor allem das Strategieprogramm "Innovatives OÖ 2010" sein. Entwickelt wurden dafür von 250 Experten 18 Strategien und 43 Maßnahmen.

Bis 2010 sollen insgesamt 600 Millionen Euro investiert werden. Im Mittelpunkt des Programms steht eine Bündelung der Kräfte auf fünf Schwerpunktfeldern: Forschung und Entwicklung, berufliche Qualifikation, Netzwerke, Wirtschafts- und Technologiestandort und EU-Networking. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD Printausgabe, 31. Mai 2006)

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    Stahlriese Voest ist der größte Erfinder Oberösterreichs: Mit 33 Anträgen führt der Konzern die Liste der Patentanträge an.

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