Erneut ein Links-Politiker verprügelt

8. Juni 2006, 13:36
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Auf offener Straße in Pardubice - CSSD macht dafür "steigende Aggressivität" der ODS im Wahlkampf verantwortlich

Prag - In Tschechien ist erneut ein Kandidat für die bevorstehende Parlamentswahl (2. und 3. Juni) überfallen und brutal verprügelt worden. Zunächst unbekannte Täter haben im ostböhmischen Pardibuce (Pardubitz) den Chef der dortigen Kreisorganisation der Sozialdemokratie (CSSD), Miroslav Vana, auf offener Straße von hinten angegriffen, als er am Montag am späten Abend von einem Restaurant nach Hause zurückkehrte.

Mit einer Metall-Stange bekam er zwei Schläge verpasst. Der Politiker erlitt blutige Kopfverletzungen und war kurz bewusstlos, berichteten die tschechischen Zeitungen am Mittwoch. Vana musste danach im Krankenhaus behandelt werden. Er sagte weiters, es habe sich um keinen Raubüberfall, sondern um eine politisch motivierte Tat gehandelt. "Ich habe weder Handy noch Geldtasche eingebüßt", so Vana.

"Steigende Aggressivität"

Die CSSD machte für die Attacke die "steigende Aggressivität" der oppositionellen konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) im Wahlkampf verantwortlich. "Es hat sich erneut bestätigt, dass der Hass und Intoleranz zu anderen demokratischen Haltungen, die die ODS mit ihren Erklärungen in unsere Gesellschaft bringt, eine Erhöhung der Aggressivität gegen den Vertretern der Linksparteien in Tschechien verursachen", steht in einer CSSD-Erklärung.

Die ODS wies den Vorwurf zurück und verurteilte selbst den Zwischenfall. Es sei unzulässig, jemanden zweckdienlich ohne einen einzigen Beweis zu beschuldigen. "Ich verurteile jegliche Gewalt, besonders dann eine Gewalt an einem Politiker, der sich vielleicht in dem Moment nicht einmal wehren kann", betonte der ODS-Chef Mirek Topolanek.

Ähnlicher Fall

Ein ähnlicher Fall hatte sich Ende April ereignet. Zum Ziel der Attacke wurde der Vizechef der Kommunisten (KSCM) und Parlamentsabgeordnete Jiri Dolejs, den drei unbekannte Männer in der Nacht auf der Straße in Prag verprügelten und ihm blutige Kopf- und Augenverletzungen verursachten.

Für Aufsehen sorgte kürzlich auch die Ohrfeige, die der sozialdemokratische Gesundheitsminister David Rath von dem prominenten ODS-Mitglied, einstigem Vizechef der Partei, Miroslav Macek, auf einem Stomatologen-Kongress in Prag erhielt. Macek wollte derart eine "private Sache" erledigen - Rath habe ihn in einem Zeitungsinterview beleidigt, indem er erklärte, Macek habe seine Ehefrau nur wegen des Geldes geheiratet. (APA)

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