Grazer Bildungsdiskussion: "Unipolitik braucht verführerischen Staat"

12. Juni 2006, 18:14
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Forderung nach mehr Investitionen - Fünf österreichische Experten trafen sich zum Austausch an TU Graz

Graz - "Was ist uns Bildung wert?" Zu diesem Thema trafen sich am Dienstagabend Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zur Diskussionsrunde an der Technischen Universität Graz. Themen waren unter anderem das Maß des Bildungshungers der Studenten, der Studien-Zugang sowie die Rolle der Bildung für die Wirtschaft. Die Veranstaltung fand im Rahmen der "TopThink"-Reihe des TU Graz-Forums "Technik und Gesellschaft" statt.

Wettbewerbsfähig

Bildung werde getragen vom einzelnen selbst, von Staat und Gesellschaft sowie den Unternehmen, so Monika Kircher-Kohl, Finanz-Vorstand von Infineon Österreich. Eine Wissensgesellschaft sei nur durch Investitionen in Bildung und Forschung realisierbar. Christoph Kratky, Präsident des Wissenschaftsfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), meinte, dass die Obergrenze für Bildungsausgaben eines Landes in Zukunft höher liegen müsse als bisher, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

"Verführerischer Staat"

Universitätspolitik brauche einen "beschützenden, verführerischen Staat", der den jungen Menschen auch zeige, dass ihre Ausbildung etwas wert sei und ihnen einen Teil der Belastungen z. B. durch Stipendien abnehme, erklärte der frühere Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz: "Man braucht aber auch Studenten, die nicht nur passiv darauf warten, dass eine Bildungsinstitution sie motiviert." Horst Cerjak, Vizerektor für Lehre und Studien der TU Graz meinte, Gesetze würden von den Studenten nichts fordern, zum Ablegen von Prüfungen könnten Universitäten ihre Studenten nicht zwingen. Lediglich Stipendien seien an Leistung gebunden: "So stellen sich viele Studenten selbst Anforderungen."

Ausländische Forscher

Für die Unternehmen sprach Gerhard Käfer, Leiter von "University Liaison Management" von Siemens AG Österreich: Seine Firma mache eine Vielzahl von Erfindungen pro Tag, die nur mit den best ausgebildetsten Köpfen möglich seien. Im Bildungsbereich würden Nationalstaaten im Wettbewerb stehen, die Politik müsse viel tun im Hinblick auf eine Öffnung des Landes für Forscher und Studenten aus dem Ausland. (APA)

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