Maria-Callas-Ausstellung im Theatermuseum

8. Juni 2006, 19:09
1 Posting

Den Sommer über Kostüme und seltene Fotos unter dem Titel "Die Kunst der Selbstinszenierung"

Wien - "Natürlich war sie eine tolle Sängerin, aber das wirklich Besondere an ihr ist, mit welchem Ausdruck sie gespielt hat", meinte Thomas Trabitsch, Leiter des Österreichischen Theatermuseums in Wien, über Maria Callas. "Die Kunst der Selbstinszenierung" heißt die gemeinsam mit dem Deutschen Theatermuseum München produzierte Ausstellung, die zuvor in München gezeigt wurde. Zu sehen sind Originalkostüme aus den Opern "Norma", "Medea", "Tosca" und "La Traviata", sowie seltene Fotos aus der Privatsammlung Giancarlo Tanzi, Bühnenschmuck, und Filmausschnitte (1. Juni bis 17. September).

Maria Callas, als Maria Anna Cecilia Kalogeropoulos am 2. Dezember 1923 in New York als Tochter eines eingewanderten griechischen Apothekers geboren, gilt auch fast dreißig Jahre nach ihrem Tod als die "Primadonna Assoluta" des 20. Jahrhunderts. Das Timbre ihres drei Oktaven umfassenden Belcanto-Soprans ist heute noch unverkennbar, und ihre einstmalige Bühnenpräsenz gilt als legendär. 1937 kehrte sie mit ihrer geschiedenen Mutter nach Athen zurück und studierte Gesang bei der legendären Elvira de Hidalgo. 1949 heiratete sie den Millionär und Bauunternehmer Battista Meneghini, der ihr Impresario wurde.

Wichtigster musikalischer Förderer der erst üppigen, dann radikal erschlankten Callas war der Dirigent Tullio Serafin. Er brachte sie in Venedig erstmals als Isolde heraus, und dann als Norma, ihrer meistgesungenen Partie. In Wien brillierte sie 1956 als Lucia di Lammermoor. Als die Callas ihre zerstörerische Beziehung mit Aristoteles Onassis durchlebte, hielt ihre Stimme den Eskapaden allmählich nicht mehr stand. Legendär ist ihre abgebrochene Vorstellung der "Tosca" in Rom 1958. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte die einst strahlende Diva zurück gezogen, und gab Gesangsunterricht in Paris und New York. Nach ihrem Tod am 16. September 1977 wurde ihre Asche zunächst auf dem Friedhof Pere Lachaise in Paris beigesetzt, aber später ihrem letzten Willen entsprechend vor der Küste Griechenlands ins Meer gestreut.

Die Ausstellung legt ihren Schwerpunkt auf die Selbstinszenierung der Callas als Künstlerin. Herzstück der Schau ist der eigens gestaltete "Norma"-Raum. Drei verschiedene Norma-Roben sind dort vor einem riesigen Callas-Porträt zu bewundern, und aus dem Off ertönt die Arie "Casta Diva", die untrennbar mit ihrem Namen verbunden ist. Für Kuratorin Gunna Wendt ist die Partie der Norma aus Bellinis Oper die "Schicksalsrolle der Callas, die sie über neunzig Mal gespielt hat", wie sie meinte.

Außer Kostümen sind etwa auch jene Krone, Collier und Ohrringe aus Swarovskisteinen zu bewundern, die Callas in "Tosca" an der New Yorker Metropolitan Opera trug. Der Glanz der Diva Callas wird besonders durch Filmausschnitte wieder lebendig, etwa von Franco Zeffirellis "Tosca"-Inszenierung an der Royal Opera Covent Garden im Jahr 1964. Ein Meisterwerk der Filmgeschichte ist Pier Paolo Pasolinis Film "Medea" von 1969, der ebenfalls ausschnittweise zu sehen ist, interessanterweise am Boden der Vitrine, in der ein "Medea"-Opernkostüm der Callas gezeigt wird. Von Pasolini stammen auch zwei Porträts der Callas, die er während der Dreharbeiten malte.

Immer wieder hört man über die Callas, dass ihre Stimme nicht makellos gewesen sei. Das kommentiert die Ausstellung mit einem an die Wand geschriebenen Zitat des Dirigenten Tullio Serafin: "Ich habe viele Stimmen der Callas kennen gelernt. Sie können mir glauben, ich habe nie darüber nachgedacht, ob ihre Stimme schön oder hässlich ist. Ich weiß nur, dass es stets die richtige war, und das ist mehr als schön." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zuletzt im Februar des Vorjahrs: 'Maria Callas & Swarovski Bühnenjuwelen' in der Wiener Staatsoper

Share if you care.