Getrennt von Chips und Hardware

6. Juni 2006, 19:34
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Christian Monyk von "Quantum Technologies" spricht im STANDARD-Interview über sichere Datenübertragung

STANDARD: Wie groß ist die Gefahr, dass unser Gespräch abgehört wird?

Christian Monyk: Nicht besonders groß. Wenn es allerdings um ein Geschäft mit viel Geld ginge oder um wichtige vertrauliche Daten innerhalb einer Firma, dann wäre die Gefahr erheblich.

STANDARD: Würden Verschlüsselungen wie Pretty Good Privacy helfen?

Monyk: Gegen einfache Abhörer sicher. Echte Profis bräuchten nur etwas Zeit, um den Code zu knacken.

STANDARD: Nun soll die Verschlüsselung mittels Quantenprinzipien eine noch viel größere Sicherheit bieten. Wie kommen Sie und die Projekte der Abteilung "Quantum Technologies" dabei ins Spiel?

Monyk: Man muss unterscheiden zwischen dem Erzeugen einer Quantenverschlüsselung und dem Gesamtsystem der Quantenkryptografie. Das Erstere ist nur ein - wenn auch sehr wichtiger - Teil des Ganzen; der Experimentalphysiker Anton Zeilinger, der hier Pionierarbeit geleistet hat, und sein Team arbeiten daran. Wir arbeiten mit ihnen zusammen und setzen bei dem System danach an. Dazu gehört viel Software, viel Elektronik, eine gute Einbettung in das Sicherheitssystem eines Unternehmens.

STANDARD: Wozu speziell braucht man Software und Elektronik?

Monyk: Jede Schnittstelle eines Systems nach außen, die nicht gesichert ist, bietet eine Angriffsfläche. Man braucht also Firewalls, man braucht Rechenoperationen auf unterschiedlichen Chips, die auch hardwaremäßig voneinander getrennt sind, damit niemand nachverfolgen kann, was geschieht. Dafür benötigt man die Systeme, die wir entwickeln.

STANDARD: Was zeichnet Ihre Abteilung aus?

Monyk: Dass wir die Ersten gewesen sind, die sich intensiv mit den Gegebenheiten um die Quantenschlüsselerzeugung herum beschäftigt haben; wir haben einen Vorsprung von vier Jahren.

STANDARD: Sind die Ergebnisse marktreif?

Monyk: Noch nicht. Das System ist noch teuer - man muss mit ca. 100.000 Euro rechnen - und erlaubt nur eine Kommunikation von Punkt zu Punkt, aber keine Vernetzung. Daran arbeiten wir, mithilfe von Glasfasern, die neben der Luft die einzige Übertragungsmöglichkeit darstellen. Die Sicherheit, die wir anstreben, könnte so erschwinglich werden, dass sich nicht nur Großunternehmen, sondern auch ein individueller Anwalt sie sich leisten kann. (mf/DER STANDARD Printausgabe, 31. Mai 2006)

Zur Person

Christian Monyk, Physiker, leitet die Abteilung "Quantum Technologies" der ARC Seibersdorf Research. Davor war er Generalsekretär des Verbands der Technologiezentren Österreichs (VTÖ).

  • Artikelbild
    foto: standard/andreas scheiblecker
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