Regierung jubelt über Post-Debüt

21. Juli 2006, 08:46
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Der teilprivatisierte gelbe Riese zeigte sich am ersten Tag auf dem Aktienmarkt als Highflyer - Kritik kommt von der Opposition

Wien – Gespannt wartete Mittwochmorgen Post-Vorstand Anton Wais gemeinsam mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser, den Börse- Vorständen Michael Buhl und Stefan Zapotocky sowie ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis in der Wiener Börse auf den ersten Kurs der gelben Post-Volksaktie. Dieser wurde bei einem schwachen Börsenumfeld bei 20,90 Euro gebildet und lag damit zehn Prozent über dem Ausgabepreis von 19 Euro. Im Tagesverlauf lag die Aktie bis zu über 17 Prozent im Plus.

Der Börsengang der Post ist zugleich das viertgrößte Initial Public Offering (IPO) in der Geschichte der Wiener Börse und habe großes Interesse bei nationalen und internationalen Investoren hervorgerufen, sagte Buhl. Ein Drittel des Angebots wurde bei österreichischen Anlegern platziert, rund 20 Prozent davon sei Privatkunden zugeteilt worden.

Johann Moser, Wirtschaftssprecher der SPÖ, kritisierte, dass man nicht von einer "Volksaktie" sprechen könne, wenn zwei Drittel der Aktien an ausländische Investoren gegangen seien. Die Post werde künftig nicht mehr allen Österreichern etwas bringen, sondern nur "ausländischen Hedgefonds und Spekulanten".

Viele Mitarbeiter wurden Aktionäre

Mit 13.400 Mitarbeitern sei etwas mehr als die Hälfte der Post-Bediensteten Aktionäre ihres Unternehmens geworden. Das Mitarbeiter-Modell wurde von der ÖIAG mit 13 Mio. Euro gefördert um damit auch kritische Stimmen der Gewerkschaft entgegen zu wirken. Finanzminister Karl-Heinz Grasser wertete die rege Beteiligung der Post-Angestellten am Mitarbeiterprogramm als Bestätigung des Regierungskurses; es sei gelungen, die Mitarbeiter von den Börsenchancen zu überzeugen.

Auch Post-Chef Anton Wais, meinte, er sei froh, dass das IPO "nicht von Kampfgesängen auf der Straße" begleitet werde. Auf eine Gratiszuteilung für die Mitarbeiter sei bewusst verzichtet worden, erklärte Michaelis, da man an der Zeichnungsintensität der Mitarbeiter auch ablesen wollte, wie stark diese zum Unternehmen stehen.

Der ÖIAG-Chef wies darauf hin, dass mit Ausnahme der Infrastrukturgesellschaften wie ÖBB oder Asfinag alle Unternehmen des öffentlichen Sektors bereits an die Börse gebracht wurden. Rund die Hälfte der 120 Milliarden schweren Marktkapitalisierung im Wiener Prime Market "stammt von Unternehmen, die früher dem öffentlichen Sektor zuzurechnen waren", sagte Michaelis.

Grasser gegen SPÖ-Vorschlag

Forderungen der SPÖ, die 51-prozentige staatliche Mehrheit an der Post per Verfassungsgesetz abzusichern, wies der Finanzminister am Mittwoch zurück. Die Regierung bekenne sich zur staatlichen Mehrheit, dies liege durch die Infrastrukturaufgaben der Post auch auf der Hand – die verfassungsmäßige Absicherung mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit komme aber nicht infrage. Grasser verwies darauf, dass letztlich ebendieser Status des Verbund ein wirtschaftlich vernünftiges Zusammengehen mit der OMV verunmöglicht habe. Der Finanzminister erteilte auch sozialdemokratischen Forderungen, den staatlichen Anteil an der OMV mit 25 Prozent und einer Aktie festzuschreiben, eine Absage. "Dieses Thema ist gegessen", sagte der Finanzminister, der darauf hinwies, dass Unternehmen dadurch in ihren Plänen "behindert" würde und dies im 21. Jahrhundert nicht mehr der Fall sein sollte.

Neue Werte trotz schwacher Börse

Der Mai war für die Wiener Börse trotz der hohen Kursabschläge im Leitindex ATX ein besonderer Wonnemonat gewesen, sagte Buhl. Denn mit den Neuzugängen Polytec, Zumtobel und jetzt Post sei der Kurszettel in Wien gewachsen wie noch nie. Buhl: "Drei IPOs in einem Monat hat es bisher an der Wiener Börse noch nicht gegeben." (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

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    Anton Wais hat Grund zum Jubeln.

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