Edinburgh: IPI-Kongress mit China-Resolution zu Ende gegangen

23. Juni 2006, 10:27
posten

Pressefreiheit in 121 Ländern gar nicht oder nur teilweise respektiert - Watch List bleibt aufrecht

Äthiopien, Nepal, Russland, Venezuela und Simbabwe bleiben auf der Watch List des in Wien ansässigen Internationalen Presse Instituts (IPI). Das entschied der Vorstand der Medienorganisation auf dem jährlichen IPI-Kongress, der am Dienstag in Edinburgh zu Ende gegangen ist. Die Idee der Liste ist es, "den Dialog mit Staaten zu eröffnen, bevor sie in die Unterdrückung gleiten".

Nepal sei das einzige unter den fünf Watch List-Ländern, wo es Verbesserungen gegeben habe, meinte IPI-Direktor Johann Fritz in einer Aussendung. Nach dem Ende der autokratischen Herrschaft des nepalesischen Königs Gyanendra und der Rückkehr zur Demokratie in diesem Monat, sei es wichtig, dass Reformen griffen, ehe man den Himalaya-Staat von der List nehmen könne.

Während Medien in der Russischen Föderation weiter viel ihrer Zeit einer Präsident Wladimir Putin und der Kreml-nahen Partei "Geeintes Russland" widmeten, würden Journalisten attackiert und festgehalten, begründete Fritz die weiteren Entscheidungen. "Bei den äthiopischen Medien herrscht derzeit Verwirrung, weil die Regierung entschlossen ist, einige Journalisten wegen Landesverrats zu belangen", während die Medien in Simbabwe u.a. in einer Flut repressiver Gesetzgebung ertrinken würden. Venezuela kritisierte Fritz wegen der Medienpolitik von Präsident Hugo Chavez.

Resolutionen

Der Kongress verabschiedetet mehrere Resolutionen, so zur Internet-Zensur in China, zur Verschlechterung der Lage der Pressefreiheit in afrikanischen Staaten und zum Schutz von Berichterstattern durch die Regierungen angesichts der Zahl bei der Arbeit getöteter Reporter. Eine weitere Entschließung betrifft die Auseinandersetzungen um die in europäischen Medien veröffentlichten Karikaturen des Propheten Mohammed. Das IPI fordert darin, die Freiheit des Herausgebers zu respektieren. Gleichzeitig sollten Journalisten "sorgfältig den kulturellen, sozialen und religiösen Kontext überdenken, ehe sie entscheiden, voraussichtlich verletzendes Material zu veröffentlichen".

Der Herausgeber der polnischen Tageszeitung "Gazeta Wyborcza", Piotr Niemzcycki, wurde auf dem Kongress zum neuen Vorsitzenden der IPI-Geschäftsführung gewählt. Er folgt auf den Kenianer David Kiboro. (APA)

Share if you care.