"Pure Manipulation": Tiroler SPÖ kritisiert Scheuers Abtreibungs-Aussagen

1. Juni 2006, 20:25
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Diözesanbischof hatte Schwangerschaftsabbruch als "schweres Unrecht" bezeichnet und flankierende Maßnahmen zur Fristenlösung gefordert

Innsbruck - Als "pure Manipulation" hat am Donnerstag die Tiroler SP-LAbg. Gabi Schiessling die Aussagen des Innsbrucker Diözesanbischofs Manfred Scheuer bezeichnet. Für diesen bleibt Abtreibung ein "schweres Unrecht", "das in Österreich straffrei ist". Zum "Tag des Lebens" am 1. Juni forderte Scheuer am Mittwoch flankierende Maßnahmen zur Fristenlösung, unter anderem die Schaffung eines kinderfreundlichen gesellschaftlichen Klimas.

"Selbstverständlichkeit"

In den letzten 30 Jahren habe sich "das Bewusstsein so entwickelt, dass Abtreibung fast schon selbstverständlich geworden ist", kritisierte Scheuer. Nachdrücklich wies der Bischof auf die sehr bedenkliche "Umkehrung des öffentlichen Bewusstseins" hin, was die "Abtreibung behinderter Kinder" betreffe.

"Mit fällt auf, dass nur die wenigsten wissen, dass die Abtreibung behinderter Kinder bis zur Geburt in Österreich erlaubt ist. Fast alle, die das zum ersten Mal hören, sagen: Das ist verrückt. In der öffentlichen Diskussion aber werden jene, die eine Änderung der Gesetzeslage zu Gunsten ungeborener behinderter Kinder fordern, fast als Verrückte hingestellt," meinte Scheuer.

Forderungen

Eine Veränderung der Gesetzeslage zur Abtreibung dürfte nach Einschätzung des Bischofs "zurzeit in keiner der Parteien mehrheitsfähig" sein. Daher sei es Aufgabe der Kirche, "immer wieder auf mögliche Verbesserungen hinzuweisen".

Zu den "flankierenden Maßnahmen" nannte Scheuer die "verbindliche Beratung" für Frauen, "die sich mit der Frage einer Abtreibung auseinander setzen". Diese Beratung solle so geführt werden, dass die Frau bzw. die Eltern "Wege zu einer Entscheidung für das Kind finden". Psychologisch ausgebildete Fachleute sollten die Beratung getrennt von der Behandlung der Ärzte durchführen. Auch ein "zeitlicher Mindestabstand" sei wichtig. Eltern, die vor der Geburt eines behinderten Kindes stehen, könnten etwa von den Erfahrungen anderer Eltern profitieren.

Professionelle Beratung

Schiessling meinte dazu, ein bestimmtes Ziel vorzugeben, könne und dürfe nicht Teil einer psychologischen Beratung sein. Das führe sie ad absurdum, so die Landtagsabgeordnete. Professionelle, gute Beratung müsse versuchen, so objektiv wie möglich zu sein und die Situation der betroffenen Frau unvoreingenommen zu beleuchten. Konflikte, Bedenken und Sorgen der schwangeren Frau hätten im Mittelpunkt der Betrachtungen zu stehen. Das Ziel der Beratung müsse sein, die Frau so zu begleiten, dass sie eine Entscheidung fällen könne, die mit ihrer Lebenssituation und ihrem Gewissen vereinbar sei. (APA)

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