Deutschlands Arbeitslosigkeit mit stärkstem Rückgang seit 1990

18. Juni 2006, 17:57
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Arbeitslosenzahl auf 4,535 Millionen gesunken - Quote ging überraschend deutlich um 0,7 Punkte auf 10,8 Prozent zurück

Nürnberg - Hoffnungsschimmer auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Die Zahl der Jobsuchenden ist im Mai im Vergleich zum Vormonat überraschend stark um 255.000 auf 4,535 Millionen gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg weiter mitteilte, fiel der Rückgang damit größer aus als in den vergangenen drei Jahren mit durchschnittlich 157.000. Experten hatten mit einem Minus zwischen 150.000 und 180.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,7 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent.

"Die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg nochmals an, und der Beschäftigungsabbau hat sich weiter verlangsamt", erklärte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise. Diese Entwicklung sei "durchaus erfreulich". Sie dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer noch einen leichten Abbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gebe, betonte Weise.

Zwar habe sich der Abbau inzwischen verlangsamt, aber noch immer habe es im März 2006 88.000 solcher Stellen weniger gegeben als im Vorjahresmonat, sagte Weise. Der Rückgang könnte zwar im Herbst zu einem Stillstand kommen. Fraglich sei jedoch, ob es anschließend zu einem Aufbau komme. Dies hänge auch von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab.

Hartz-IV-Effekte

Im Westen fiel die Arbeitslosenzahl um 155.000 auf 3,046 Millionen, im Osten verringerte sie sich um 100.000 auf 1,490 Millionen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl sank von April auf Mai um 93.000, im April war sie um 42.000 zurückgegangen. Ein Teil des deutlichen Rückgangs ist den Angaben zufolge auf Hartz-IV-Effekte zurückzuführen. So sei durch eine intensivere Betreuung auch die Zahl der Arbeitslosengeld-II-Empfänger gesunken.

Weiter angespannt sei die Situation am Ausbildungsmarkt. Zwar konnte die Bundesagentur durch den "Tag des Ausbildungsplatzes" am vergangenen Montag mehr als 14.000 zusätzliche Lehrstellen einwerben. Dies reiche aber nicht aus, um die Lücke zu schließen, sagte Weise. So wurden den Arbeitsagenturen von Oktober bis Mai 362.500 Ausbildungsstellen gemeldet und damit 7.500 weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig stieg die Zahl der Bewerber aber um 20.800 auf 626.200.

Gezielter Einsatz der Mittel

Zur Kritik einzelner Politiker, wonach die Bundesagentur ihren Haushalt auf Kosten des Arbeitslosengeldes II saniere, erklärte Weise: "Diese Vorwürfe sind nicht berechtigt". Die Bundesagentur habe mit den weiter steigenden Mehrausgaben beim Arbeitslosengeld II nichts zu tun. Die Sanierung des BA-Haushaltes habe interne Gründe. "Wir arbeiten schneller und besser und zahlen weniger Arbeitslosengeld I", sagte Weise. Mittel würden gezielter eingesetzt, und es würden weniger Empfänger des Arbeitslosengeldes I in die Langzeitarbeitslosigkeit abgleiten. Dies führe wiederum zu einem geringeren Aussteuerungsbetrag. Die BA habe außerdem ihre Verwaltung rationalisiert, was weiter Mittel spare. In diesem Jahr erwartet die BA einen Haushaltsüberschuss von 4,5 Milliarden Euro.

Gleichzeitig begrüßte es Weise, dass die Bundesregierung über eine Nachbesserung von Hartz IV nachdenke. "Es ist gut, dass sich der Gesetzgeber nach so kurzer Zeit das Gesetz nochmal vornimmt und korrigiert", sagte Weise. Die BA werde hierzu jedoch keine Ratschläge abgeben. (APA/AP)

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    "Die Entwicklung am Arbeitsmarkt war erfreulich", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.

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