Neues Medikament gegen Brustkrebs

6. Juni 2000, 15:07

Anti-Hormontherapie in Pillenform soll Nebenwirkungen vermindern

Wien - In Österreich erkranken pro Jahr etwa 5.000 Frauen an Brustkrebs. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Lebensalter an und erreicht den höchsten Gipfel nach dem 45. Lebensjahr. Frauen, die an einem Mammakarzinom, einem oft hormonabhängigen Tumor der Brust erkranken, sind Kandidatinnen für eine Nebenwirkungsarme Anti-Hormontherapie. Für eine solche Behandlung wurde am Dienstag das Medikament Exemestan (Aromasin) vorgestellt. Es ist das erste derartige Mittel, das in Tablettenform eingenommen werden kann.

Dabei handelt es sich um einen sogenannten Aromatase-Hemmer. Solche Substanzen blockieren die Umwandlung von Vorstufen des weiblichen Geschlechtshormons (Östrogen) zum "Endprodukt". Die Mehrzahl der Mammakarzinome sind in ihrem Wachstum vom Östrogen abhängig. Deshalb wirkt sich eine anti-hormonelle Behandlung positiv aus.

Kaum Nebenwirkungen

Die Substanz, das seit mehreren Wochen in Österreich auf dem Markt ist, soll auch noch bei Patientinnen wirksam sein, die auf andere Anti-Hormontherapien nicht mehr ansprechen. Das hoch wirksame Medikament mit einer Ansprechrate von 42 Prozent muss in einer Dosierung von 25 Milligramm pro Tag eingenommen werden. Es werden kaum Nebenwirkungen beobachtet.

"Wenn eine Frau bereits einen vier Zentimeter großen Tumor in ihrer Brust hatte, war es bis jetzt üblich, eine Chemotherapie zu verordnen, um den Knoten vor dem Eingriff zu verkleinern", so Univ. Prof. Dr. Raimund Jakesz, Abteilungsvorstand der Universitätsklinik für Chirurgie im Wiener AKH. Die Chemotherapie sei zwar effektvoll, aber mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden. "Wir wollten einen ähnlichen Schritt, aber mit einer besseren Lebensqualität", so Jakesz. Das Arzneimittel bedeute eine wesentliche Erweiterung der Möglichkeiten zur medikamentösen Begleittherapie für Patientinnen mit Brustkrebs. (APA)

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