Studie: Über 17.000 irakische Familien seit Ende Februar geflohen

6. Juni 2006, 09:48
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Konsequenz verschärfter konfessioneller Feindseligkeiten

Bagdad/Basra - In den vergangenen drei Monaten haben 17.129 irakische Familien aus Angst um ihr Leben ihre Häuser verlassen. Das berichtete die irakische Zeitung "Al-Bajina al-Jadida" am Mittwoch unter Berufung auf Untersuchungen des Ministeriums für Migration in Bagdad. Daraus geht hervor, dass die überwältigende Mehrheit der Binnenflüchtlinge Gebiete verlässt, in denen sie zur religiösen Minderheit gehören, und sich stattdessen in Städten oder Vierteln ansiedelt, in denen ihre eigene Religionsgruppe die Mehrheit stellt.

Deshalb zog es beispielsweise besonders viele Schiiten nach Najaf, Kerbala und Amara. Vor allem seitdem Extremisten am 22. Februar die Goldene Moschee von Samarra, eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten, teilweise zerstört hatten, ist die Lage eskaliert. Seither kommt es gerade in Bagdad häufig vor, dass Sunniten und Schiiten nur auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu der jeweils anderen Gruppe ermordet werden. In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind binnen 24 Stunden die Leichen von 42 getöteten Menschen gefunden worden. US-Botschafter Zalmay Khalilzad hatte die konfessionellen Milizen beschuldigt, schon mehr Menschen umgebracht zu haben als die Aufständischen.

Ministerpräsident Nuri al-Maliki traf am Mittwoch in der südirakischen Hafenstadt Basra ein, um mit den Angehörigen der Parteien, der Provinzverwaltung, den Stammes- und Religionsführern einen Ausweg aus der Krise zu suchen. In Basra, das vom britischen Militär kontrolliert wird, war es nach der amerikanisch-britischen Invasion 2003 lange Zeit relativ friedlich gewesen. Erst seit einigen Wochen hat die Zahl der Anschläge und Attentate zugenommen. (APA/dpa)

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