US-Soldat: Kameraden in Haditha "blind vor Hass"

6. Juni 2006, 09:48
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Weißes Haus wurde erst durch Fragen eines Journalisten aufmerksam

Camp Pendleton - Nach einem Massaker an irakischen Zivilpersonen in Haditha, für das US-Soldaten verantwortlich gemacht werden, hat ein US-Marineinfanterist von "blindem Hass" gesprochen. Unteroffizier James Crossan wurde bei der Explosion einer Bombe verletzt, die einen Marineinfanteristen tötete. Einige Soldaten seien danach offenbar ausgerastet, sagte Crossan dem Sender KING-TV in Seattle: "Ich glaube, dass sie einfach blind vor Hass waren (...) und die Kontrolle verloren haben."

US-Präsident George W. Bush ist nach Darstellung seines Sprechers erst nach Fragen eines Journalisten auf den Vorfall aufmerksam gemacht worden, bei denen im November zwei Dutzend Iraker umgebracht worden sein sollen. In den US-Medien wird der Vorfall inzwischen mit dem Massaker von My Lai in Südvietnam verglichen, wo US-Soldaten im März 1968 mehr als 500 Menschen, darunter 173 Kinder, niedergemetzelt hatten. Die Weltöffentlichkeit erfuhr erst eineinhalb Jahre später von dem Verbrechen, das die moralische Niederlage der USA im Vietnamkrieg besiegelte.

Weißes Haus wurde erst durch Fragen eines Journalisten aufmerksam

Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, erklärte am Dienstag (Ortszeit) in Washington, ein "Time"-Reporter habe Fragen an Bush gestellt. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Frederick Jones, sagte, die Zeitschrift habe die US-Truppen in Bagdad am 10. Februar auf die Vorgänge in Haditha aufmerksam gemacht. Nach ersten Ermittlungen sei der Präsident informiert worden.

Das Marineinfanteriekorps hatte zunächst erklärt, die Iraker seien durch eine am Straßenrand versteckte Bombe und bei anschließenden Kämpfen mit Aufständischen ums Leben gekommen. Der Kongressabgeordnete John Murtha, ein ehemaliger Vietnamveteran, warf den Soldaten vor, kaltblütig getötet zu haben. Unter den Opfern waren auch Frauen und Kinder. Inzwischen wird gegen rund ein Dutzend Marineinfanteristen ermittelt. Der Ranghöchste ist ein Stabsunteroffizier, der den von der Bombe getroffenen Konvoi anführte, wie Anwalt Paul Hackett sagte. (APA/AP)

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