Ein "täglich spürbarer" Direktor

1. Juni 2006, 13:40
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Burgschauspieler Robert Meyer für fünf Jahre Leiter der Volksoper - Ihm zur Seite: Rainer Schubert

Burgschauspieler Robert Meyer bekommt als künftiger Direktor der Wiener Volksoper einen Fünfjahresvertrag.

An seiner Seite wird der Chefdisponent des Burgtheaters, Rainer Schubert, arbeiten.


Wien – Es ist das Vorrecht und wohl auch die Pflicht eines designierten Theaterdirektors, bei seinem ersten öffentlichen Auftritt ein "No-Problem-Gesicht" zu machen – auch wenn es um die Volksoper geht. Robert Meyer, der ab der Saison 2007/08 Rudolf Berger nachfolgen wird, ist also guter Dinge, und es sind ja auch sehr nette Worte, die Kunststaatssekretär Franz Morak zu seinem alten Burgtheater-Kollegen einfallen.

Morak erwartet sich von Meyer "einen neuen Impuls für die Volksoper im Geist des Volkstheaters". Meyer habe jahrzehntelange Erfahrung als "Volksschauspieler und Erfolgsschauspieler" wie auch als Regisseur vorzuweisen; er sei eine "starke Persönlichkeit – glauben Sie mir, ich kenne ihn schon lange!" Zudem habe er großes musikalisches Gespür und Musikverständnis. Mancher Satz kam einem auch schon (von der Bestellung Rudolf Bergers her) bekannt vor:

Morak verlangt eine Neupositionierung der Volksoper und die Entwicklung eines eigenständigen Profils, bei dem die Tradition der Volksoper und die Operettenpflege nicht vernachlässigt, gleichzeitig aber auch neues, junges Publikum erschlossen werde. Neu war hingegen die launig vorgebrachte Erwartung, Meyer würde seinen Wohnsitz ab sofort in die Volksoper verlegen, was Meyer dann wiederum doch recht ernst nahm.

"Ich werde jede Vorstellung kontrollieren. Ich möchte in der Volksoper tagtäglich spürbar sein. " Das gelte für das Ensemble (Meyer: "Ich möchte jeden im Haus kennen lernen!") ebenso wie für das Publikum. Er habe "die Kraft und die Freude" für seine neue Aufgabe. Und beide reichen so weit, dass Meyer in kleinen Rollen auch an der Volksoper gesehen werden möchte. Irgendwann will er auch an seinem Haus inszenieren; am Burgtheater wird er aber in seiner Direktionszeit nicht spielen, er wird karenziert.

In puncto Finanzen meinte Meyer, er sei sicher, mit den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten des Hauses zurande kommen zu können. Diese Aussage, die jener des Noch-Direktors Rudolf Berger diametral entgegensteht, der eine jährliche Lücke von 2,5 Millionen Euro sieht, war ganz im Sinne von Kunststaatssekretär Morak. Die Übereinstimmung der Meinungen habe aber bei der Bestellung Meyers keinerlei Rolle gespielt, so jedenfalls Morak.

Konkrete Programmideen werden im Oktober präsentiert. Sie werden wohl auch den momentanen Chefdirigenten der Volksoper, Leopold Hager, betreffen, der einen Vertrag bis 2008 hat. Sicher ist: Von der jetzigen Direktion wird 2007/08 die Premiere von Tiefland übernommen, "da die Verträge schon unterschrieben sind", so Meyer. Ebenso wird es bei der Japantournee der Volksoper bleiben.

An der Seite von Meyer wird der bisherige Chefdisponent des Burgtheaters, Rainer Schubert, arbeiten, nach Meyer "ein intimer Kenner dieses Hauses". Welchen Titel dieser tragen werde, ist noch nicht klar. Klar sei hingegen: "Die Letztentscheidung trifft der Direktor!", so Meyer.

Schubert ist der Titel nicht wichtig. Er will im Hintergrund arbeiten und Meyer den Rücken in organisatorischen Fragen freihalten. Den Spielplan und die Besetzungen werde man gemeinsam erstellen. Staatsoperndirektor Ioan Holender begrüßte die Entscheidung: "Die Bestellung hat all meine Sympathie." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

Von Ljubisa Tosic
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    foto: volksoper/votava
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