Klage gegen US-Investmentbank wegen Diskriminierung weiblicher Angestellte

6. Juni 2000, 14:54

Frauen wurden von Firmenveranstaltungen ausgeschlossen

New York - Eine US-Behörde hat am Montag die Beschwerde einer Finanzmarkt-Händlerin für Rechtens befunden, derzufolge die US-Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter sie und andere weibliche Angestellte diskriminiert haben soll. Allison Schieffelin hatte bei der US-Kommission für gleichberechtigte Beschäftigung (EEOC) Beschwerde eingelegt, dass Morgan Stanley sie unter anderem im Hinblick auf ihre Bezahlung und Förderung ungerecht behandelt habe. Die 39-jährige erklärte weiter, sie und andere Mitarbeiterinnen seien wiederholt von Veranstaltungen des Unternehmens ausgeschlossen worden, wie Golftrips und Ausgänge in Nachtclubs, die nur Männern vorbehalten gewesen seien.

Vergeltungsmaßnahmen

Der New Yorker Bezirksdirektor der EEOC, Spencer Lewis, schrieb in einer festellenden Erklärung der Kommission, dass Morgan Stanley gegenüber Schieffelin "ein Muster und eine Praxis der Diskriminierung auf Grund ihres Geschlechts" gezeigt habe. Auch habe die Investmentbank gegen Schieffelin Vergeltungsmaßnahmen ergriffen, nachdem sie die Beschwerde im November 1998 eingelegt hatte.

Ein Sprecher von Morgan Stanley zeigte sich bereit, mit der Kommission zusammenarbeiten und wies die Vorwürfe zurück. "Wir stimmen nicht mit den Ergebnissen der Kommission überein, denn wir praktizieren oder tolerieren keine Diskriminierung jeglicher Art", sagte der Sprecher.

Kein Einzelfall

Arbeitsrechtsexperten sehen Morgan Stanley nach der jetzigen Beurteilung der Kommission in einer ungünstigen Position. Morgan Stanley werde sich wohl auf "weitreichende und teuere" Verhandlungen einstellen müssen, sagte Samuel Estreicher, Professor für Arbeitsrecht an der New Yorker University School of Law. In einem vergleichbaren Fall angeblicher Diskriminierung hatte das US-Unternehmen Texaco nach Angaben des Anwaltes der Händlerin jüngst 176 Millionen Dollar bezahlt. Gegen Morgan Stanley läuft zudem ein Verfahren, in dem zwei Finanzanalysten schwarzer Hautfarbe ihren ehemaligen Arbeitgeber der Diskriminierung beschuldigen. (Reuters)

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