Agrana baut Fabrik in Bosnien

8. Juni 2006, 14:42
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Der Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern baut mit einem Partner eine neue Raffinerie um 30 Millionen Euro

Sarajewo - Der börsenotierte österreichische Zuckerkonzern Agrana wird eine Zuckerfabrik in Bosnien-Herzegowina bauen. Die Raffinerie wird zusammen mit dem Rohstoffhändler Ilija Studen errichtet, der für die Agrana rund 15 Jahre den Zuckerhandel in Bosnien-Herzegowina abwickelte.

Die rund 30 Millionen Euro schwere Investition in Bosnien-Herzegowina ist eines der ersten großen Industrieengagements eines ausländischen Nahrungsmittelunternehmens nach Beendigung des Balkan-Konflikts. "Wir haben viele Jahre lang nach Bosnien, auch nach Albanien, EU- Überschusszucker, zumeist aus Österreich, exportiert", sagt Agrana-Chef Johann Marihart. Solche Exporte sind aber seit den Entscheidungen der Welthandelsorganisation WTO wegen der damit verbundenen Exportstützungen nicht mehr erlaubt, der EU- Zuckermarkt muss auf den reinen internen Bedarf zurückgenommen werden.

"Wir wollen aber diese Umsätze nicht verlieren und werden Bosnien-Herzegowina nun direkt bedienen", so Marihart. Außerdem könnte eine Fabrik außerhalb (vielleicht in einigen Jahren innerhalb) der EU interessante Möglichkeiten haben. Schließlich könne man noch nicht absehen, wie sich der Markt nach der Zuckermarktreform entwickle.

Zuckerpreise ziehen an

Die internationalen Zuckerpreise zogen zuletzt stark an: Dies bereits ein Ausfluss der zunehmenden Ethanol/Produktion aus Zucker. Marihart: "International hängt der Zuckerpreis bereits am Ölpreis."

Das Werk wird in Brcko in der Nähe zur kroatischen Grenze gebaut. Partner Studen betreibt dort eine Speiseölfabrik. In der Fabrik werden keine Zuckerrüben verarbeitet werden, sondern vornehmlich Rohzucker aus Zuckerrohr, das man am Weltmarkt aufkaufen wird. Für einen Anbau von Zuckerrüben sei die Region klimatisch nicht ideal. (Johanna Ruzicka, Sarajewo, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2006)

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