Raiffeisen Informatik geht nach Rumänien

22. Juni 2006, 15:19
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Der Rechenzentren-Betreiber will noch heuer in Bukarest eine Tochtergesellschaft gründen - Bewerbung um Autobahnmaut-Projekt in Ungarn

Wien - Der österreichische IT-Dienstleister Raiffeisen Informatik GmbH will noch heuer eine 100-Prozent-Tochter in Bukarest gründen, die Anfang 2007 ihre Tätigkeit aufnehmen soll. "Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Rumänien sind extrem gut und der Markt befindet sich noch in einer sehr frühen Wachstumsphase", begründete der Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik, Wilfried Pruschak, den Schritt Richtung Südosten.

"Nach Rumänien gehen wir, weil das Land ein großes Potenzial hat und viele große österreichische Unternehmen - OMV, Brau AG, Strabag - bereits dort investiert sind. Von einigen wurde bereits angefragt, ob wir dort Dienstleistungen anbieten könnten", so der Raiffeisen-Informatik-Chef im Gespräch mit der APA. Mit lokalen IT-Dienstleistern "führen wir bereits intensive Kooperationsgespräche".

Keine weiteren Neugründungen im Osten

Weitere Neugründungen im Osten seien aktuell nicht geplant, "wir wollen das in verdaubaren Portionen machen", sagte Pruschak. Mit der UNIQA-Versicherung habe man in Rumänien bereits ein Gemeinschaftsunternehmen in Cluj (Klausenburg) gegründet, das gerade im Aufbau begriffen sei und mit fünf bis zehn Mitarbeitern Software-Dienstleistungen erbringe. Bereits seit fünf Jahren wurde ebenfalls gemeinsam mit der UNIQA eine Tochter in Budapest gegründet, wo bereits 60 Leute beschäftigt seien.

Raiffeisen Informatik ist der Rechenzentrumsdienstleister von Raiffeisen und verwaltet deren IT-Infrastruktur. Das Unternehmen ist einer der größten privaten Betreiber von Rechenzentren in Österreich und erzielte 2005 mit 900 Beschäftigten einen Umsatz von 390 Mio. Euro.

"70 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Outsourcing", sagte Pruschak. Diese Tätigkeit selbst nach Osteuropa auszulagern mache für Raiffeisen Informatik jedoch nicht viel Sinn, da die Kostenstruktur von Rechenzentren vor allem investitionslastig sei und hohe Investitionen in Gebäude sowie Hard- und Software erfordere, und diese Kosten seien weltweit sehr einheitlich. Interessant werde Outsourcing in den Osten vor allem dann, wenn es um menschliche Arbeit gehe - Software-Entwicklung sei so ein Bereich.

Steigende Tendenz zu Outsourcing

"Wenn es in der Konjunktur enger wird, steigt die Tendenz zu Outsourcing. Diese Tendenz haben wir in den rasch wachsenden Märkten in Mittel- und Osteuropa nicht", erklärte Pruschak. "Dort ist eher Tempo angesagt als Kosten-Management - gefragt sind Dienstleistungen, die das Wachstum unterstützen." In Österreich würden 35 Prozent des Marktes für IT-Dienstleistungen auf Outsourcing entfallen - in Ländern wie Rumänien, Ungarn, Tschechien oder Polen liege dieser Wert noch unter 10 Prozent. Auch in Österreich sei der Outsourcing-Markt erst in den letzten fünf Jahren so stark gewachsen.

Mit der Tochterfirma Aphona ist Raiffeisen Informatik in Russland und Kasachstan aktiv, wo man Kommunikationslösungen für die Staatsbahnen entwickelt habe, berichtete Pruschak. Das Nachbarland Slowakei sei hingegen wegen seiner geringen Größe als Markt weniger interessant. "Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich die Achse Bratislava-Wien einmal als Standort-Pärchen ergibt." Aus Sicherheitsgründen, etwa für Katastrophenfälle, könnte man in Bratislava ein Backup-Rechenzentrum für Wien errichten, überlegte Pruschak. Dabei gehe es jedoch nicht um viele Arbeitsplätze - für ein solches "Darkroom"-Rechenzentrum brauche man kaum noch Personal.

Drei Standorte in Wien

Derzeit ist das Rechenzentrum der Raiffeisen Informatik aus Sicherheitsgründen auf drei Standorte in Wien verteilt, mit insgesamt über 4.000 Servern. Dieser hohe Sicherheitsbedarf bestehe z.B. beim Abrechnungs-System für die Autobahn-Maut, die Raiffeisen Informatik seit 2004 betreibt.

Auf die Erfahrung mit der Lkw-Maut in Österreich habe man auch beim Design der Stadtmaut in Stockholm zurückgreifen können, verwies Pruschak auf ein Vorzeigeprojekt jüngeren Datums. Bei diesem Projekt sei man als Subunternehmer u.a. für das "enforcement" zuständig, also für die Verwaltung der Strafmandate. Das Mautsystem ist seit Jahresbeginn in Betrieb, bereits am ersten Tag wurden 245.000 Transaktionen und Mauteinnahmen in Höhe von 220.000 Euro verbucht. Zum Vergleich: Beim Lkw-Mautsystem in Österreich gibt es an starken Tagen bis zu 3 Mio. Transaktionen - eine solche Transaktion kommt jedes Mal zustande, wenn ein Lkw unter einer Mautbrücke durchfährt.

Auch in Ungarn bewirbt man sich derzeit um ein Mautprojekt. Der Auftrag für ein Lkw-Mautsystem dürfte noch heuer vergeben werden. Derzeit läuft eine Vorauswahl der Bieter, die eigentliche Ausschreibung ist noch nicht erfolgt. (APA)

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    foto: standard/urban
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