Ringen um Frieden für Krisenregion Darfur geht weiter

23. Juni 2006, 11:13
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Abkommen nur von größter Rebellen-Gruppe unterzeichnet

Khartum - In der westsudanesischen Unruheprovinz Darfur sind die Hoffnungen auf einen andauernden Frieden erneut getrübt worden. Zwei Rebellen-Gruppen - eine Untergruppe der SLA sowie die JEM - lehnen es nach wie vor ab, sich einem Abkommen mit der Regierung anzuschließen, und ließen eine entsprechende Frist der Afrikanischen Union (AU) verstreichen. Die beiden Gruppierungen kritisieren den Vorschlag als ungerecht.

Die AU - die zuletzt auch UN-Sanktionen gegen die Rebellen ins Gespräch gebracht hatte - zeigte sich enttäuscht. Das Friedensabkommen war Anfang Mai lediglich von der größten Fraktion der SLA unterzeichnet worden. Der Vertrag wird von Beobachtern und Vermittlern als einzige Chance für ein Ende des dreijährigen Konfliktes angesehen, in dem Zehntausende getötet wurden.

"Inakzeptabel"

Die Untergruppe der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) sowie die Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) fordern mehr politischen Einfluss für sich, eine höhere Entschädigung für die Opfer des Konflikts und eine Mitsprache bei der Entwaffnung der von der Regierung bewaffneten arabischen Milizen. Sofern an dem bisherigen Abkommen keine Änderungen vorgenommen würden, könne die Regierung nicht mit seiner Zustimmung rechnen, erklärte der Anführer der SLA-Fraktion, Abdel Wahed Mohammed al-Nur. JEM-Chef Khalil Ibrahim bezeichnete das Vertragswerk als inakzeptabel. Die Staatengemeinschaft solle sich in Geduld bei der Lösung des Konfliktes üben, anstatt die Bevölkerung im Sudan in einen Frieden dieser Art zu drängen.

Der Anführer jener SLA-Fraktion, die das Abkommen als bisher einzige Gruppe unterzeichnet hat, äußerte Unverständnis über die Ablehnung. "Wenn sie dem Abkommen beitreten würden, dann könnten sie die Dinge eher beeinflussen als wenn sie außen vor bleiben", sagte Minni Arcua Minnawi der Nachrichtenagentur Reuters. Sowohl die AU als auch die sudanesische Regierung lehnen Änderungen an dem Vertragstext bisher ab.

Nun liegt es am Friedens- und Sicherheitsrat der AU, über Maßnahmen gegen die beiden Rebellengruppen zu entscheiden. Der Vorsitzende des Gremiums, Alpha Oumar Konare, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend, was mögliche Sanktionen angeht. Er drückte lediglich sein "tiefes Bedauern" über die Ablehnung aus. Wann der Rat in den kommenden Tagen genau zusammenkommt, ist derzeit noch offen. In den vergangenen zwei Jahren hatte die AU bei den Darfur-Verhandlungen wiederholt Fristen gesetzt und nicht mit der Umsetzung angedrohter Gegenmaßnahmen reagiert, wenn diese verstrichen waren.

In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellen gegen die Regierung. Die zahlreichen Toten sind nur ein Aspekt des Konflikts: Millionen Menschen sind zudem auf der Flucht. Die AU hat 7.000 Soldaten zur Überwachung eines Waffenstillstandes in die Region entsandt. Diese konnten aber Übergriffe der arabischen Milizen auf schwarzafrikanische Zivilisten nicht verhindern. Die USA sprachen von einem Völkermord in der Region. (APA/Reuters)

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